88ÖZV, LXXX/129, 2026, Heft 1Interesse unterschiedlicher Protagonist*innen an diesem unvermeid-baren Gebäude im dicht bebauten 8. Bezirk ein. Unterschiedliche Ins-titutionen meldeten Raumansprüche und Lagerbedürfnisse an. Auchdas nahegelegene VKM, das unter dem NS-Regime auf einen Umzugin ein anderes, größeres Gebäude gehofft hatte, beobachtet das nahe -gelegene Gebäude und seine Nutzungen sehr genau.Das VKM besteht seit seiner Gründung 1895 ununterbrochenund auch sein Trägerverein – der Verein für Volkskunde – wurde nie-mals(auch nicht unter dem NS-Regime) aufgelöst. 1945 wurden wegenvielfältiger Einbindungen und wissenschaftlicher wie ideologischerEngagements mehrere Menschen entnazifiziert und aus dem Dienstentlassen. Der damalige Direktor Arthur Haberlandt(1889–1964)musste ebenso wie andere NS-belastete Mitarbeitende gehen. Mitdem neuen Direktor Leopold Schmidt(1912–1981) benannte sich dasMuseum in„Österreichisches Museum für Volkskunde“ um.17Mitder nunmehrigen Betonung auf dem„Österreichischen“ kam man denVorstellungen und Vorgaben der Alliierten entgegen, die nicht nurauf die Neutralität Österreichs drängten, sondern auch die Narrativeund Dogmen des Nationalsozialismus durch ein gestärktes Öster-reich-Bewusstsein zurückgedrängt sehen wollten. Die Betonung eines‚harmlosen‘ Österreich(legitimiert durch die Moskauer Deklarationvon 1943, die Österreich als„erstes Opfer“ des nationalsozialistischenDeutschen Reiches beschrieben hatte) zeigt sich auch darin, dass sichdas Land von nun an vorwiegend als Kulturnation verstand und prä-sentierte.Allgemein wurden Kriegs- und Schutzbauten in Wien nachdem Zweiten Weltkrieg als Depot für Kunst- und Kulturgüter heran-gezogen. Zum Beispiel nutzen das Museum für Angewandte Kunst(MAK) und die Österreichische Galerie Belvedere bis heute je einensolchen Bau als Objektdepot: Das MAK unterhält ein Depot imGeschützturm im Arenbergpark(3. Bezirk) und das Belvedere lagertin einem unter der Parkanlage zwischen Unterem und Oberen Bel-vedere gelegenen Tiefbunker(3. Bezirk) Objekte ein.17Vgl. Birgit Johler, Magdalena Puchberger:„… das schöne Museum end-lich der Zukunft zu erschließen“. Kontexte und Positionierungen imösterreichischen volkskundlichen Feld nach 1945. In: Johannes Moser(Hg.): Zur Situation der Volkskunde 1945–1970. Orientierungen einerWissenschaft zur Zeit des Kalten Krieges. Münster 2015, S. 205–226.
Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde1 (2026)Raid, Maria; Puchberger, Magdalena: massiv unsichtbar
Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde1 (2026)Raid, Maria; Puchberger, Magdalena: massiv unsichtbar
Aufsatz in einer Zeitschrift
massiv unsichtbar : Erinnerungsprojekt des Volkskundemuseum Wien zum Luftschutzbunker Schönbornpark im 8. Bezirk
(Josefstadt)
Seite
91
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten