Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde1 (2026)Raid, Maria; Puchberger, Magdalena: massiv unsichtbar

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
massiv unsichtbar : Erinnerungsprojekt des Volkskundemuseum Wien zum Luftschutzbunker Schönbornpark im 8. Bezirk
(Josefstadt)
Seite
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Maria Raid und Magdalena Puchberger, Den Tod zur Welt bringen?85mag daran liegen, dass heute mehr als 80 Jahre nach dem Endeder NS-Herrschaft und des Zweiten Weltkrieges nur mehr wenigeMenschen selbst von ihren Erlebnissen berichten können(Ende derZeitzeug*innenschaft). Die Forschung hat seit den 1980er Jahrendie Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit vorangebracht,die viele Aspekte und die langen Wirkungen der Jahre 1938 bis 1945untersucht hat. Die veränderten Bedingungen mögen zu der Erkennt-nis beigetragen haben, dass auch in der NS-Zeit gebaute Infrastruktu-ren sowie andere von Menschen gemachte Eingriffe in die LandschaftZeugnis geben können. Massive Bauten, wie der Bunker im Schön-bornpark, eröffnen einen anderen Zeithorizont denn sie überdauernein Menschenleben, sie bleiben und begleiten mehrere Generationen.Die Vergangenheit wirkt bis in die Gegenwart, auch durch den Luft-schutzbunker im Schönbornpark.Die Bunkerfaszination, die in den letzten Jahren zur Erfor-schung einiger Wiener Bunkerbauten und zu Führungen in denGebäuden geführt haben, bezog sich weitgehend auf die Zeit desZweiten Weltkrieges, obwohl darüber hinaus noch viel mehr als(Luft-)Krieg und Zivilschutz erzählt werden könnte, was wir grund-sätzlich als ungenütztes Potential verstehen. Die ausschließlicheFokussierung auf diese Zeit hat uns in diversen Gesprächen, vorallem aber auch bei unseren Projektführungen im Schönbornpark12,immer wieder irritiert. Eine übergeordnete Perspektive, wie wir sieinmassiv unsichtbaranvisiert haben, erschließt sich nicht allen. Geradeweil wir keine Zeit- oder Kriegshistoriker*innen sind, beschäftigtenuns spezifische Fragen zur baulichen Umsetzung und der notwendi-gen Infrastruktur im Inneren des Gebäudes weniger stark. Außer-dem verlor der Bunker mit Kriegsende wie viele andere Kriegsge-bäude für immer seine ursprüngliche Funktion. Nach 1945 war erzunächst offensichtliche und manifeste Erinnerung an die unmittel-bare, gewaltvolle Vergangenheit in einer kriegsversehrten Umgebung.et al.(Hg.): Ver/störende Orte. Zum Umgang mit NS-kontaminierten­Gebäuden. Berlin, 2024.12Nach Eröffnung der Dauerinterventionen und dem Launch der Pro-jektwebsite haben wir im Herbst und Winter 2025 zwei Kuratorin-nenführungen angeboten. Weiters wurde das Gebäude auch durch dieKulturvermittlung bis Jänner 2026 regelmäßig öffentlich zugänglichgemacht.