Kyra Fuhrmeister-Hardt, Leibliche Macht: Gewalt und Körper in Jagdsituationen43Jagdwaffen werden kontinuierlich technisch weiterentwickelt,wodurch sie eine immer höhere Präzision ermöglichen; zugleich schaf-fen sie eine erhebliche räumliche Distanz zum Tier, sodass der Menschdas Tier aus sicherer Entfernung töten kann, ohne sich dabei selbstunmittelbar einer Gefahr auszusetzen. Bevor dies aber geschieht, mussdie Verfügbarmachung der Wildtiere erreicht werden. Dabei könnenunterschiedliche Faktoren wie der Standort oder das Verhalten derTiere die Agency verschieben. Auch institutionelle und ökologischeMacht nimmt Einfluss auf den Prozess der Verfügbarmachung. Umdiese Machtformen geht es im nächsten Kapitel detaillierter, hier geheich zunächst auf die körperlichen Phänomene ein, die die vermeint-liche Kontrolle der Jagenden über die tierischen Subjekte anzweifeln.Als leibliche Reaktion im Tötungsprozess ist das Jagdfieber alsemische Kategorie heranzuziehen. Die Informant:innen beschreibenes als körperlich erfahrbare Nervosität – kurz vor oder nach einemAbschuss auf ein Tier. Dies kann sich so weit zuspitzen, dass dieJagenden ihre körperlichen Reaktionen vor einem Schuss nicht unterKontrolle haben, die Waffe zittert und sie nicht abdrücken können:„Positiv war natürlich, das bleibt in Erinnerung, das erste StückWild, was man erlegt. Da ist man echt nervös und man kanndie Waffe gar nicht richtig ruhig halten und man ist immer indiesem berühmten Jagdfieber. Dann geht man nach Hause undgeht dann wieder hin und dasselbe Stück Wild kommt auf dieFläche und man versucht, ruhig zu bleiben. Das ist schon echtspannend, weil man ja auch alles richtig machen will. Das hatbei mir auch ein paar Tage gedauert, bis die Überwindung dawar. Das Stück muss ja auch passend stehen. Also dass ich denKörper komplett sehen kann, das war wirklich ein positivesErlebnis. Das wird immer in Erinnerung bleiben.“26Einige Jagende äußern, dass sie das Jagdfieber erst nach demSchuss erleben, andere berichten von körperlichen Reaktionen davorund danach. Allen gemein sind die mit dem Jagdfieber verbundenenVorstellungen. Nur ein männlicher Informant verneint, jemals das26Interview 1(weiblich, 24 Jahre alt, Landwirtin) am 5.12.2023, Materialliegt bei der Autorin.
Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde1 (2026)Fuhrmeister-Hardt, Kyra: Leibliche Macht
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Leibliche Macht : Gewalt und Körper in Jagdsituationen
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