Aufsatz in einer Zeitschrift 
Leibliche Macht : Gewalt und Körper in Jagdsituationen
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40ÖZV, LXXX/129, 2026, Heft 1die Jagd auf Rehe vom Ansitz gekennzeichnet ist. Die Nutzung desBegriffs Niederwildjagd als Feldterminus liegt in der Historie derJagd in Deutschland begründet. Vor 1848/49 war die Jagd ein Privi-leg und Recht des Adels. Niedere Stände wie Bürger:innen durftennur für den Adel belanglose Tiere jagen, für die sich der Begriff Nie-derwild etablierte. Seit 1848/49 haben sich die darunter subsumiertenArten kaum verändert.22Die Lust am TötenDie nachfolgende Gesprächsszene veranschaulicht die Thematisie-rung von Jagdmotiven im Kontext der Auslandsjagd. Während einesGesprächs mit mehreren Jägerinnen bei Bier und Knabbereien lenkteine Anwesende das Thema auf die Auslandsjagd. Eine Teilnehme-rin der Gesprächsrunde kommt gerade aus ihrem Jagurlaub zurück,und die anderen fragen nach ihrem Urlaubsbericht. Als Forschendewerde ich sofort aufmerksam: Denn in anderen Interviews berichtendie Informantinnen von sogenannten Trophäen- und Auslandsjagden– aber immer unter der Prämisse, dass sie eine solche Art der Jagdstrikt ablehnen würden. Sie betonen dabei, dass für sie die Jagd imheimischen Revier an erster Stelle und die Hege und Pflege sowiedie ökologische Ausrichtung der Jagd im Fokus stünden. Die Jagd alsreine Freizeitpraxis verneinen sie.Widersprüchlich dazu erfahre ich, dass die Informantinnen anJagden in Ostdeutschland oder Polen teilnehmen. Eine Jägerin berich-tet mir, dass sie im Rahmen ihres Studiums ein Praktikum in Südaf-rika absolvierte und währenddessen auch die ihr gebotenen Jagdmög-lichkeiten wahrnahm. Interessant sind die konträren Darstellungenaus Erzählungen und tatsächlichem Handeln, denn – so scheint esanfänglich – die Tötenden wollen mir gegenüber die Jagd nicht alsfreudige Freizeitaktivität erscheinen lassen, sondern als ernsthaftesund verantwortungsvolles Engagement.Forscherin: Was, habt ihr alle schon so viele Jagdurlaube gemacht?Jägerin 1: Noch nicht so wahnsinnig viel. Also zuletzt Grönland.22Hubertus Hiller: Jäger und Jagd. Zur Entwicklung des Jagdwesens­zwischen 1848 und 1914. Kiel 2003, S. 195.