28ÖZV, LXXX/129, 2026, Heft 1rechten Mobilisierungsstrategien auf mehreren Ebenen als anerken-nungswürdige und zu schützende Arena inszeniert: In ihr bewegensich hilfs- und schutzbedürftige Frauen, die dort ihrer vermeintlichenKernaufgabe – der Haus- und Sorgearbeit – nachgehen.65Mutter-schaft wird in rechten Diskursen der Gegenwart gekonnt zu einem„modernisierten Inklusionsversprechen“ stilisiert, indem ihr ein hohergesellschaftlicher Wert zugeschrieben wird, der zugleich als Gegen-entwurf zu scheinbar dominanten feministischen Anrufungen positi-oniert wird. Die Rechte bietet also gesellschaftliche Anerkennung fürMütter – ohne den Druck, eine wettbewerbsbasierte Berufskarriereverfolgen zu müssen.Dies geschieht in einer Zeit, in der(neo-)liberale(Post-)Femi-nismen eine Ideologie der ‚do-it-all-mother‘ vertreten, ohne den sozi-aldisziplinierenden Charakter des austeritätsgeprägten Sozialstaats,zum Beispiel für Familien, zu kritisieren.66Sie treffen, das zeigt dieauf die aktuelle und lokale Konstellation bezogene Analyse, mit ihrerfamilialen Agitation zielsicher in eine in der gegenwärtigenconjunc-turebestehende(post-)feministische Lücke. Vor diesem Hintergrundkann der rechte Diskurs für die Protagonistinnen meiner Studie ausnachvollziehbaren Gründen eine interessante alternative Orientierungzu vermeintlich feministischen Diskursen67bieten, da Letztere starksind z. B. folgende Abhandlungen aufschlussreich: Stefanie Mayer, EdmaAjanovic, Birgit Sauer: Intersections and Inconsistencies. Framing Gen-der in Right-Wing Populist Discourses in Austria. In: NORA – NordicJournal of Feminist and Gender Research 22(4), 2014, S. 250–266;Ben-jamin Opratko: Im Namen der Emanzipation. Antimuslimischer Rassis-mus in Österreich. Bielefeld 2019; Karl Beyer, Markus Griesser, StephanPühringer: Zwischen Meritokratie und Wohlfahrtschauvinismus. EineMediendiskursanalyse zu sozial- und arbeitsmarktpolitischen Reformender ÖVP-FPÖ-Regierung 2017-2019 in Österreich 109, 2020, S 5–96.65Vgl. Agnieszka Graff, Elżbieta Korolczuk: Anti-Gender Politics in thePopulist Moment. London 2021, S. 115–136.66Vgl. Marie Reusch: Mutterschaft als modernisiertes Inklusionsverspre-chen für Frauen. Extrem rechte Thematisierungen von Mutterschaft vordem Hintergrund der Krise der sozialen Reproduktion. In: ZRex – Zeit-schrift für Rechtsextremismusforschung 1(2), 2021, S. 228–241; sieheauch: Juliane Lang: Rechtsextremismus und Geschlecht im Wandel.Wiesbaden 2025, S. 89–91.67Siehe z. B. Akane Kanai, Rosalind Gill: Woke? Affect, neoliberalism,marginalised identities and consumer culture. In: New Formations –A journal of culture/theory/politics 102, 2020, S. 10–27.
Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde1 (2026)Bäumel, Laura: "Das ist echt schräg, was die Ausländer kriegen"
Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde1 (2026)Bäumel, Laura: "Das ist echt schräg, was die Ausländer kriegen"
Aufsatz in einer Zeitschrift
"Das ist echt schräg, was die Ausländer kriegen" : Armuts- und Gewalterfahrungen prekär arbeitender Mütter und die Empfänglichkeit für rechte Ideologeme
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