Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde1 (2026)Bäumel, Laura: "Das ist echt schräg, was die Ausländer kriegen"

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
"Das ist echt schräg, was die Ausländer kriegen" : Armuts- und Gewalterfahrungen prekär arbeitender Mütter und die Empfänglichkeit für rechte Ideologeme
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20ÖZV, LXXX/129, 2026, Heft 1die macht eh viel zu viel. Da bin ich draufgekommen, dass dueigentlich als Österreicherin in Österreich verrecken kannst,das ist leider so. Und beim Amt bin ich dann ein bisschenausgeflippt, habe gesagt, ,okay, das nächste Mal male ich michschwarz an, ziehe noch ein paar Kinder nach und dann kriegeich das ganze Geld. Es ist ich bin nicht ausländerfeindlich aber es ist so. Ja, bei der Gemeinde war nichts zu holen. Ichbin wirklich dagestanden wie die Kuh vor der Tür, das ist so.Es ist schön, dass wir in so einem tollen Land wohnen, wodu Unterstützung kriegst, nämlich keine. Das ist eine boden-lose Frechheit.40Julia erhielt also nach der Trennung von ihrem Ex-Partnerweder finanzielle Unterstützung durch den Staat noch beteiligte sichder Vater ihres Sohnes ausreichend. Die ,schwarze, kinderreicheFamilie fungiert auch hier als Projektionsfläche: In Julias Erzählungwird diese zu einer sozial figurierten Gruppe,41diedas ganze Geldkriege, während ihr und ihrem Sohn ebendieses verweigert wird,obschon und dies wird hier implizit mitverhandelt es ihnen imGegensatz zur ,schwarzen Familie eigentlich zustünde. Diese mora-lische Erwartung wird vom strafenden, sozialdisziplinierenden Staatjedoch enttäuscht.Simone Hofer wiederum beschreibt die Schwierigkeiten, mitdenen(Groß-)Mütter sich konfrontiert sehen, und wechselt dabei imErzählmodus zwischen allgemein-politischem Kommentar und dereigenen Erfahrung als Großmutter:So wie jetzt, ich meine, gestern habe ich wieder auf die Kin-der[Enkelkinder] geschaut. Da muss ich um halb 12 auf-stehen, da schlafe ich genau vier Stunden. Muss aber in derNacht[Nachtschicht von 22–6 Uhr] wieder arbeiten gehen,aber ich muss, ich will sie unterstützen. Weil es sind meine40JH 06/23.41Vgl. Moritz Ege, Jens Wietschorke: Figuren und Figurierungen in derempirischen Kulturanalyse. Methodologische Überlegungen am Beispielder ‚Wiener Typen vom 18. bis zum 20. und des Berliner ‚Prolls im21. Jahrhundert. In: LiThes. Zeitschrift für Literatur- und Theatersozio-logie 11, 2014, S. 16–35, hier S. 34 f.