Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde1 (2026)Bäumel, Laura: "Das ist echt schräg, was die Ausländer kriegen"

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
"Das ist echt schräg, was die Ausländer kriegen" : Armuts- und Gewalterfahrungen prekär arbeitender Mütter und die Empfänglichkeit für rechte Ideologeme
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18ÖZV, LXXX/129, 2026, Heft 1Im Abschnitt zur Frage der Gleichberechtigung zeigte sich,dass die Befragten die eigenen Gewalterfahrungen nicht an die Ebenepolitischer Strukturen zurückbinden. Bei den Armutserfahrungenverhält es sich anders: Diese werden in einen direkten Zusammen-hang mit den staatlichen Strukturen gebracht. Dies möchte ich anhanddes Gesprächs mit Lena Peric, einer zum Zeitpunkt des Interviewsrund 30-jährigen Mutter zweier Kinder, veranschaulichen. Mit Blickauf die Arbeitsteilung in ihrer Beziehung sagt sie, dass esirgendwieklar war, dass er arbeiten geht und sie zuhause bleibt. Sie erzählt:Für ihn war immer wichtig, dass die Mama beim Kind daheim ist. Ja,passt ok, mache ich gerne[*lacht*].37Diese Arbeitsteilung beeinflusstdie spätere ökonomische Lage von Lena und ihren Kindern nachhal-tig. Nachdem das Paar sich trennte, hatten sie einen gemeinsamenKredit in der Höhe von 5.000 Euro abzubezahlen, den sie für dasEinrichten der gemeinsamen Mietwohnung aufgenommen hatten.Er wanderte schließlich nach Südeuropa aus, wobei Lena das Motivfür die Ausreise in seiner Zahlungsunfähigkeit sieht. Zum Zeitpunktdes Interviews ist sie ohne abgeschlossene Ausbildung und hat zweiKinder zu versorgen. Im Interview schildert sie ihre schwierige Lageexemplarisch anhand einer Situation, in der sie sich etwa einen Monatvor unserem Gespräch wiederfand. Sie hatte in der Fischzerlegungs-fabrik, in der sie mehrere Jahre arbeitete, gekündigt, sich für einigeWochen arbeitslos gemeldet und wollte anschließend Mindestsiche-rung38beantragen. Ihr Antrag wurde allerdings abgelehnt. Als Grundverwies das Amt auf das Geld auf den Sparbüchern der Kinder:Nichts darfst du haben, nein. Darfst du echt nichts besit-zen. Darfst in keinem Besitz sein, ich habe ja dann noch einestillgelegte fondsgebundene Lebensversicherung. Die läuftauf den Felix[Sohn], da sind 2000 Euro drauf und ich zahl50 Euro für meine Pension ein. Und derweil ich so viel dahalt hab, gehts mir noch immer viel zu gut[*lacht*]. Aber das37LP, 08/22; später im Interview berichtet sie davon, auch während derZeit, in der sie nicht offiziell erwerbstätig war, stets in anderen Haushal-ten geputzt und zusätzlich zu ihren eigenen Kindern auch auf die Kindervon Freund:innen gegen Bezahlung aufgepasst zu haben.38Bundesweite Sozialhilfe, die bei sehr geringem Einkommen und in Fällen,in denen kein Besitz vorhanden ist, gewährt wird.