Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde1 (2026)Bäumel, Laura: "Das ist echt schräg, was die Ausländer kriegen"

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
"Das ist echt schräg, was die Ausländer kriegen" : Armuts- und Gewalterfahrungen prekär arbeitender Mütter und die Empfänglichkeit für rechte Ideologeme
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8ÖZV, LXXX/129, 2026, Heft 1Partnerschaften. Sie wohnen überwiegend in ländlichen Gebieten undpendeln für ihre Erwerbsarbeit in nahegelegene Städte. Alle Befragtenstammen aus nichtakademischen, überwiegend Arbeiter:innenfami-lien und ihre Erwerbsbiografien sind durch Unterbrechungen infolgereproduktiver Verpflichtungen geprägt.Da die Gespräche in der Fabrik und die Interviews, die inder Regel bei den Interviewten zu Hause stattfanden, von regelmä-ßig wiederkehrenden rechten Ideologemen geprägt waren, gewannendiese zunehmend an Bedeutung für meine ethnografische Forschung.Im vorliegenden Beitrag möchte ich mich zwei Ideologemen wid-men, die die Gespräche in besonderem Maße prägten: Erstens wur-den Geschlechtergleichberechtigung und insbesondere sexualisierteGewalt als Probleme von Migrant:innen und als der ,eigenen Gesell-schaft nicht(mehr) inhärent angesehen, obschon viele der BefragtenGewalt innerhalb ihrer Familien erfuhren. Zweitens werde ich wohl-fahrtschauvinistische Äußerungen analysieren, die insbesondere dannzum Vorschein traten, wenn Interviewte über ihre eigenen Erfah-rungen mit staatlichen Leistungen und über Momente, in denen sieArmut(sgefährdung) erlebten, sprachen.Das geschilderte Vorgehen, sich dem Thema über die Bio-grafien und die alltägliche Lebensführung der Gesprächspartnerinnenzu nähern, anstatt gezielt Personen mit rechten oder autoritären Ein-stellungen oder gar aktive Rechte zu befragen, ermöglicht aus meinerSicht eine lebensweltlich informierte Analyse, die für das Verständnisder aktuellen Mobilisierungspotenziale und-erfolge rechter Gruppie-rungen besonders erhellend ist.17Betont sei an dieser Stelle, dass ichmit meiner aus dieser qualitativen Erhebung resultierenden Analysekeinen Anspruch auf Repräsentativität erheben möchte. Die im Fol-genden besprochenen Aspekte können jedoch so meine Hoffnung aufschlussreich für weitere Forschungen zu Fragen der gegenwär-tigen Faschisierung sein, insbesondere mit Blick auf die Intersektionvon Klasse und Gender.17Vgl. Moritz Ege: Zur Kulturanalyse des Bevormundungsvorwurfs. EinBeitrag zur Populärkultur- und Populismusforschung. In: Schweizeri-sches Archiv für Volkskunde= Archives suisses des traditions populaires119(1), 2023, S. 7–31, hier S. 23–25.