Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde1 (2026)Bäumel, Laura: "Das ist echt schräg, was die Ausländer kriegen"

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
"Das ist echt schräg, was die Ausländer kriegen" : Armuts- und Gewalterfahrungen prekär arbeitender Mütter und die Empfänglichkeit für rechte Ideologeme
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6ÖZV, LXXX/129, 2026, Heft 1Empirische Grundlage und methodisches VorgehenZunächst ist jedoch ein kurzer Einblick in die Erhebungspraxis undeine Erläuterung dazu, wie das in der Einleitung benannte Thema zueinem zentralen Aspekt meiner Forschung avancierte, vonnöten: ImRahmen der empirischen Erhebung führte ich mit 27 Fabrikarbei-terinnen semistrukturierte Interviews durch, um ihreralltäglichenLebensführung9in derproduktivenundreproduktiven Sphäre10sowieihren politischen Einstellungen nachzuspüren. Die Auswahl der Teil-nehmenden erfolgte nach zwei Kriterien: Sie mussten mindestens einKind und Erfahrung in der Fabrikarbeit haben. Das Sample umfasstFrauen aus unterschiedlichen Industriesektoren und spiegelt damitden empirischen Befund wider, dass der Zugang zur Fabrikarbeitweniger durch die Art der Produktion als durch ihre strukturellenBedingungen bestimmt ist. Der Zugang zum Feld erfolgte über meh-rere Kanäle, darunter ausgedehnte persönliche Netzwerke, die teil-weise durch meine eigene Erfahrung mit Teilzeitarbeit in einer Fab-rik während meiner ersten zweieinhalb Studienjahre geprägt waren,sowie über soziale Medien und Kontakte, die sich im Laufe der Feld-forschung entwickelten.Die Interviews wurden in der Regel mit einer narrativenEinstiegsfrage zu den Umständen des Aufwachsens eingeleitet. Im9Ich beziehe mich hier einerseits auf das soziologische Konzept, das imRahmen der Münchener Subjektsoziologie entwickelt wurde. KarinJurczyk, Gerd Günter Voß: Zur gesellschaftsdiagnostischen Relevanz derUntersuchung von alltäglicher Lebensführung. In: ProjektgruppeAlltäg-liche Lebensführung(Hg.): Alltägliche Lebensführung. Wiesbaden 1995,S. 371–407; Ich denke dies jedoch mit einem stärker materialistischenVerständnis vonLebensweise, das in der Alltagskulturforschung ab den1980er Jahre eine wichtige Rolle spielte, in Verbindung. Kaspar Maase:Arbeiterkultur und Lebensweiseforschung. In: Olaf Bockhorn, HelmutEberhart, Wolfdieter Zupfer(Hg.): Auf der Suche nach der verlorenenKultur. Arbeiterkultur zwischen Museum und Realität. Wien 1989,S. 199–225. Dies ermöglicht es m. E., die wichtige Subjektorientierungmit einer materialistischen Ausrichtung zu kombinieren, was insbeson-dere für die hier vorliegende Empirie von großer Relevanz ist.10Vgl. Irina Herb, Sarah Uhlmann: Zum Widerspruch zwischen Akkumu-lation und der Reproduktion von Leben: Social Reproduction Theoryals umfassende Analyse kapitalistischer Gesellschaften? In: PROKLA.Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft 54(1), 2024, S. 11–31.