Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
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Das letzte Kapitel( 108-142) beschäftigt sich mit Wunderzeichen, Orakelnund Prognostik: die ambivalente Bedeutung des Spinnennetzes im Heiligtum,Schwalbennest, Eulenruf, Rabe, Krähe usw. Das Material zu den Witterungs-zeichen ist zum Großteil der peripathetischen Schule entnommen: Kraniche vomMeer kommend bedeuten harten Winter, Kranichrufe Regen, schweigende Kra-niche Windstille; der Eulenruf bringt schweren Winter, der Reiherruf Schlecht-wetter, der Rabenruf Regen usw.

In einem kurzen Epilog( 143-144) wird der Quellenwert des Werkesgewürdigt: Das eklektizistische Oeuvre des Aelianus ist für viele Nachrichtenverlorengegangener Schriftsteller die einzige Quelle. Da er als eigenschöpferischeAutorenpersönlichkeit kaum hervortritt, gibt er einen getreuen Spiegel des Wis-sens seiner Zeit. Durch die Kreuzung anderer zeitgenössischer Quellen wird dieAnsicht erhärtet, daß er als repräsentativer Vertreter des hellenistischen Wissens-standes gelten kann und somit historisch- diachron komparationsfähig ist. Einesorgfältige Spezialbibliographie( 146-156), ein Stellenregister für Aelianus( 157bis 158) sowie ein Namens- und Sachregister( 159-162) runden die gut fun-dierte Arbeit ab, welche die griechische Forschungstradition der Auswertungvolkskundlicher Nachrichten aus antiken Quellen, den Kirchenväterschriften, derbyzantinischen Hagiographie sowie der europäischen Reiseliteratur kenntnisreichfortführt.Walter Puchner

Teodoro Vidal, Los Milagros en metal y en cera de PuertoRico. Fotografias por Pablo Delano, 190 Seiten mit zahlreichen Abb.San Juan de Puerto Rico 1974, Ediciones Alba.

Die spanisch besiedelte Insel Puerto Rico besitzt ein Wallfahrtswesen, dasoffenbar so ziemlich alle seine Züge aus der alten spanischen Katholizität auf-weist. An den Gnadenstätten, zumeist marianischen, wird geopfert, und zwarhandelt es sich um Votivgaben aller Art, von blechgeschnittenen bis zu wachs-gegossenen, und aller Intention, also Tiere und Menschen mit allen nur mög-lichen Körperteilen.

Der Verfasser leitet in einem Eingangskapitel die Votive von den etrus-kischen und griechischen ab, kennt auch die in Spanien ausgegrabenen Bronze-Opfergaben und stellt neuere gegossene Figürchen etwa vom hl. Blasius odervon der Madonna daneben, die ihrer Aufhängeöse nach wohl Anhänger undkeine Votivgaben waren. Dann gibt er einen Überblick über den Werdegangder Metall- Votivgaben auf Puerto Rico, die größtenteils aus Zinnplättchengeschnitten und mehr oder minder flüchtig graviert sind. Eine Zusammenstellungder Motive zeigt die Menschendarstellung, die Versinnbildlichung von Kindern,Armen, Beinen, Brüsten, Händen, Köpfen und Geschlechtsteilen, alles offenbarrasch gearbeitet und daher nicht selten zu einer sekundären Primitivität Glossar ::: zum Glossareintrag  Primitivität neigend.Daneben gibt es aber, beispielsweise bei den Augenvotiven, das Nachlebenbarocker Formen. Die Materialien reichen von Gold und Silber über Kupferund Zinn bis zu Aluminium. Bemerkenswert erscheint, daß nicht nur die Gnaden-bilder mit Votiven behängt werden, sondern ganze Standarten mit den ,, Milagrosde Santa Maria" benäht erscheinen. Unter den handgeformten Wachsvotivenfinden sich beachtenswerte Motive, wie beispielsweise die Kopf- Hüft- Henkel-Gestalt( S. 111). Auch hier macht sich aber wieder das Nachwirken guter barok-ker Formen bemerkbar. Ein eigener Abschnitt ist den Herstellern und Verkäu-fern der sehr vereinfachten Metallplättchenvotive gewidmet. S. 143 ff. sind dieNamen dieser Hersteller genannt.

Das wertvolle Buch ist( in New York) hervorragend gedruckt, so daß dieschönen Aufnahmen von Pablo Delano auch voll zur Geltung kommen.Leopold Schmidt

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