Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
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Annette Thoma, Bei uns. Zeichnungen von Emil Thoma. Rosenheim 1974,Rosenheimer Verlag Alfred Förg. S 200,-, DM 19,80.

Annette Thoma, die Schöpferin der, Deutschen Bauernmesse", hat für vieleMenschen in Bayern, vor allem in Altbayern, viele Jahre hindurch so etwas wieeinen Mittelpunkt der Heimat gebildet. Mit Ludwig Thoma, Josef Hofmiller undwenigen anderen zählt sie zu den weltlichen Hausheiligen einer großenGemeinde. Es ist daher verständlich, daß man ihre kleinen Artikel, meist alsFeuilletons geschrieben, oft als Kalenderbeiträge gedacht, gesammelt und zueiner Art Heimatbrevier gestaltet hat. Was Annette Thoma in ihrer besinnlichenArt über Bauernadvent, Mettengang in Andring, Bauerntheater, Sunnwend,Pfingstlümmel, Kirta und so viele andere Stichwörter aus einem heimlichenLexikon der altbayerischen Volkskunde zu sagen wußte, liegt hier nun gesam-melt vor. Manches ist volkserzieherisch gedacht, manches heimatkritisch, wieetwa ,, Bayerntum und Bayerntümelei. Von ihren eigenen Hausheiligen, alsoJosef Hofmiller, Kiem Pauli und wenigen anderen, berichtet sie mit wehmütigerEhrfurcht. Zu anderen, etwa zu Lena Christ, hat sie wohl einen Weg gesucht,zu anderen wie Kurt Huber, hat sie ihn vermutlich nur angestrebt. Alles Erlebtespricht noch immer stark an, alles vielleicht doch mehr Angelesene fällt dagegenab. Man freut sich, wenn man Stücke wie, Erlebte Volksweisheit" noch immernicht nur lesen, sondern eigentlich auch fachlich verwerten kann, denn das wäreihr bestimmt recht gewesen.

Die feinen Kohlezeichnungen von Emil Thoma, nur ganz beiläufig zumText hingewandt, sind eine wahre Augenweide. Leopold Schmidt

Irmgard Gierl, Raritäten aus Schmellers Bayrischem Wör-terbuch. Rosenheim 1974, Rosenheimer Verlag Alfred Förg. 228 Seiten.S 257,40.

Irmgard Gierl, die sich schon mit vielen Sparten der Volkskunde in Bayernbeschäftigt hat, wollte ihren eigenen Worten nach keinen ,, Volksschmeller"machen. Aber der nunmehrige Buchtitel Raritäten" deckt den Inhalt desgeschmackvoll gemachten Buches ja auch nicht. Es handelt sich um Auszügeaus den Einzelartikeln Schmellers für die üblichen Teilgebiete der Volkskunde,von Aberglaube und Almerin bis zum Hochzeits- und Totenbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Totenbrauchtum. Im,, Schmeller" steht unerhört viel zu Schiffsleuten und Fischern, zur Volksmedizinwie zur Kleidung und zu vielen anderen Gebieten, die vor 150 Jahren noch völligselbstverständlich ins Volksleben eingebettet waren. Heute klingen die Stich-wörter und ihre Erläuterung oft wie Museumsstücke, aus dem lebendigen Zusam-menhang genommen und pietätvoll aneinandergereiht. Das hat Irmgard Gierlsehr gut gemacht, hat vielleicht nicht alle Artikel ausgewertet, aber manche mitoffenkundiger Liebe besonders behandelt, auch die Ortsnamen, die Personen-namen einige Koseformen nämlich und schließlich die Stadt München, inder sich der Oberpfälzer Schmeller erst allmählich einlebte.

Irmgard Gierl hat ihrer Auswahl eine freundliche Biographie Schmellersbeigegeben und den Stoff durch gute Register erschlossen. Man hätte mancheArtikel zweifellos kommentieren müssen; Schmeller ist doch mancher Irrtumunterlaufen, seine Etymologien passen heute manchmal nicht mehr und seineSacherläuterungen sind mitunter nicht mehr recht verständlich. Freilich hätteeine wirklich sachkundige Kommentierung nicht nur viel Platz, sondern auchviel Arbeitszeit erfordert. Eine solche kommentierte Ausgabe sollte wohl einmalin Angriff genommen werden. Vorläufig wird man aber den schönen Bandsicherlich gern benützen.Leopold Schmidt

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