Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
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von Friedrich W. Leitner, ist aber dank der Unterstützung der Schrift-leitung durch Franz Koschier weitgehend der Volkskunde gewidmet. Es findensich darin manche Beiträge, die in ähnlicher Form schon bekannt sind, aberauch manche neue Untersuchungen, die den Band als besonders wichtig erschei-nen lassen. Schon die Hinweise von Alfred Ogris, Zur Herkunft der Kärnt-ner Bürger", sind auch in diesem Zusammenhang wichtig. Der religiösen Volks-kunde dient der Beitrag von Alois Maier, Auch das ist Kärnten", eineknappe Übersicht der Kirchengeschichte des Landes. Eine ausführliche Spezial-untersuchung hat Gerhard Baumannn als Ikonographische Betrachtungenzum, Heiligen Haupt' zu Klagenfurt" gewidmet. Die mit viel Vergleichsliteraturgearbeitete Untersuchung betont vielleicht etwas zu wenig, was dieses Klagen-furter Gnadenbild mit der dorndurchstochenen Zunge Christi wohl noch beson-ders aussagen wollte: die Warnung vor der Zungensünde", was weit über denUrsprung der Darstellung aus einem geheimen Leiden" hinausgehen dürfte. Einanderes Kapitel wird mit Lobissers Holzschnitten zur Buch- Illustration" vonRichard Milesi angeschnitten, wieder ein anderes mit dem Humor in derKärntner Mundartdichtung" von Ida Weiß. Die ernsthafte Mundartforschungwird durch Maria Hornung mit dem Altertümlichen Wortgut in den Mund-arten von Oberkärnten" vertreten. Zu ihren, Wörtern" sind in guten Zeichnun-gen hier auch Sachen, nämlich Fuhrwerk und Gerät" gestellt. Diesem Gebietist dann die umfangreiche Studie von Oskar Moser, Die bäuerlichen Sach-güter im Aufbau der Kärntner Volkskultur", gewidmet. Die vorzüglichen Auf-nahmen Mosers sind eine schöne Bereicherung des Textes. Literaturangabenhätten wohl den Umfang gesprengt; aber der nicht zur Redaktion verpflichteteLeser vermißt sie halt doch. Eine Ergänzung dieses Gebietes bietet KarlEisner mit den Mühlen im Liesertal".

Die nächste Gruppe von Abhandlungen gehört der musischen Volkskulturan. Franz Koschier behandelt mit reichem Bildmaterial den HüttenbergerReiftanz. Ilse Koschier, die über die Kärntner Krippen dissertiert hat,stellt die Profanen Figuren einer Gmündner Hauskrippe" mit der nettenMusikantengruppe( Querflöte, zwei Schalmeien, ein Bassettl, zwei Geigen) vor.Dann führt Johann Viertler Die Zinke eine geheime Bilderschrift" alsAngehöriger der Exekutive in Kärnten vor, die ja diese Gaunerzinken zu lesenverstehen muß. Franz Koschier wieder gibt eine Übersicht über Die Kärnt-ner Männertrachten", talweise geordnet und bebildert. Die Weiterführung desvolkstümlichen Singens in den bürgerlichen Gesangsgruppen stellt GüntherMittergradnegger in Kärnten und seine Lehrerquintette" dar. RudolfMaier und Gerfried H. Leute behandeln Die Pflanze im Kärntner Jahres-und Lebensbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Lebensbrauchtum" mit einer guten botanisch angeordneten Liste. Mit der,, Fischerei an den Kärntner Seen" von Hans Sampl und der Kärntner Land-schaft und ihrem Klima" schließt Ferdinand Tschada den reichhaltigenBand. Beinahe hätte man, wenn es sich nicht um eine Festschrift gehandelthätte, noch um ein Register gebeten, denn der disparate, aber reiche und wert-volle Stoff könnte durchaus durch einen solchen Behelf aufgeschlossen sein.Leopold Schmidt

Peter Assion, Altdeutsche Fachliteratur(= Grundlagen der Ger-manistik, Bd. 13). Berlin 1973. Erich Schmidt Verlag. 235 Seiten.

Die Erforschung der altdeutschen Fachliteratur, einstmals von GerhardEis initiiert und einfallsreich fortgesetzt, wird auch von seinen Schülern kon-sequent fortbetrieben. Schon Eis war der Volkskunde verbunden und beiAssion ist dies vielleicht noch stärker der Fall. Daher ist der vorliegendeBand, der zum ersten Mal das bemerkenswerte, aber einer größeren Allgemein-heit doch recht unbekannte Gebiet zusammenfassend darstellt, für das Fach

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