L. Kriss Rettenbeck( Amulett und Talisman, München 1966) freilichauch in ethnologische Fernbereiche verfolgt wird, die( etwa in der Frage derSonderbehandlung von Toten aus der mors immatura in der abendländischen Glossar ::: zum Glossareintrag abendländischenAntike wie bei rezenten Kulturen Indonesiens, S. 155 ff; 158 ff. et passim)wohl nur als methodisch verwertbar gelten dürften, nicht reale Parallelisierungs-möglichkeiten zugeschrieben erhalten dürften wie dies zu oft im gegenwärtigenÜberbewerten„ allgemein menschlicher Verhaltensweisen" als Erklärungsgrund-lagen zeitlich und örtlich abgrenzbarer Phänomene angenommen zu werdenpflegt.
Begriffe wie„ Furcht vor dem Toten", dem„ Wiederkehrer, Nachzehrer"u. dgl., das sind religionswissenschaftliche topoi, die ja im Besonderen wenigbesagen für das Einzelamulett bzw. seine Bündelung am Skelettbefund. Über-zeugender sind L. Pauli's Beobachtungen zur Dominanz bestimmter Amulettean Kinderskeletten und an jenen von( soweit anthropologisch feststellbar)jungen Frauen mit Überlegungen über mögliche Aussagen über status wieUnverheiratetheit, Gewaltsamer Tod u. dgl. Hier( S. 160 ff.) zeigt sich auch, daßL. Pauli seine( im Literaturverzeichnis S. 215-231 bekundete) Kenntnis desFachschrifttums auch kritisch einzusetzen vermag, wenn er die Grenzen unddie Möglichkeiten, Rezentes zur Deutung des Vor- und Frühgeschichtlichenwie des Ethnologisch- Außereuropäischen einzusetzen, abzustecken vermag. Siehtman vom problematisch Bleibenden des Buchtitels ab, wird man sich über dievon der Vor- und Frühgeschichte des Raumes Dürrnberg- Hallein wie von denVergleichsbereichen der Prähistorie her den anderen Disziplinen so stattlichgeschenkten Materialien und Problemlösungsversuche sehr freuen dürfen.
Leopold Kretzenbacher
Zs. ,, KAJ. Časopis za kulturu i prosvjetu"( Zs. f. Kultur und Bildung) Jgg.VII, Zagreb- Agram 1974, Doppelheft 5--6; brosch. 224 Seiten, zahlreicheAbbildungen im Text.Višnja Huzjak, Drveno graditelstvo Turopolja( Holzarchitektur im Turopolje).Sonderpublikation des„ Museums des Turopolje", Velika Gorica 1. Aufl.1969. Brosch. 16 Seiten, 18 Abbildungen.
Kaum 20 km sw. von Agram- Zagreb erstreckt sich die eigenartige, insich geschlossene Kulturlandschaft des Turopolje( Auerochsen- Feld). Sie wirddurch ein junges, reichhaltig und geschmackvoll von der Volkskundlerin V.Huzjak eingerichtetes und hauptamtlich betreutes Turopolje- Museum inVelika Gorica würdig repräsentiert in seiner einzigartigen historischen Strukturals Gemeinwesen adeliger Freibauern( plemići). Diese kroatischen Freibauern( im deutschen Sprachraum wohl nur den Ditmarschern vergleichbar) konntensich im wesentlichen aus dem Stande der jobagiones eines jeweiligen comescurialis Zagrabiensis als nobiles jobagiones castri Zagrebinesis zuerst und dannimmer mehr seit dem 14. Jahrhundert lösen.( Eine frühere Privilegien- Urkundevon 1225 erwies sich als Fälschung.) Als die„ Adeligen des Turopolje" konntensie bis tief ins 19. Jh. und in seine„ Illyrische Bewegung" der nationalen,, Wiedergeburt"( preporod) kulturell wie politisch erstaunlich wirkkräftig bleiben.Das freibäuerlich- ,, adelige" Kulturerbe zeigt sich auch heute noch im großenBestande von Eichenholz- Bauten: eingeschossige Blockbauten im Westen; zwei-geschossige im reicheren Osten. Dazu kommen große, schloßartige Eichen-holzbauten,„ Kurien" genannt. So z. B. jene zu Alapić( Vukovina, M. d.)18. Jhs.) oder( noch bewohnt von der Familie Modić- Bedeković in Lomnica,erbaut 1806). Reizvoll in diesem Lande der einstmals dichten Eichenwälder diezahlreichen Holzkirchen, darunter die innen reich im 18. Jh. bemalte zu VelikaMlaka. Sie birgt das südlichste uns bekannte Kümmernis- Bild.
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