auch schon mit Bundwerk", bis vor 1600 zurückreichen( S. 48). Starke Um-schichtungen, Grenzverschiebungen in den Hausformen, Überformungen löstefreilich erst das 19. Jh. aus, zunächst aus betrieblichen Gründen und getragenvom Landwirtschaftlichen Verein Bayerns( seit 1810), dann zunehmend unterkünstlerischen und bauästhetischen Aspekten.„ So kam es, daß das MiesbacherHaus, wie wir kurzerhand sagen wollen, zusammen mit der wiedererneuertenTracht, mit Musik, Lied, Tanz, Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Spiel gesehen wurde und dieseroberbayerische Teilraum damit zum Inbegriff des Bayerischen erhoben wurde"( S. 50). Der Verfasser vermag indessen auch für diesen weiten voralpinen Raumauf wichtige Details wie den Freskenschmuck, auf die Ausgangslage einesursprünglichen Erenhauses, die spätmittelalterliche Entwicklung zum Mitter-tennbau sowie auf die Grundelemente des altbairischen Baugefüges und seinerspezifischen Terminologie hinzuweisen. Für eine Kenntnis dieses Baugefügesund seine Blütezeit im Zimmererhandwerk Oberbayerns zwischen 1770 und1860 sei besonders auf das beigegebene Bildmaterial hingewiesen. Zu den vonGebhard bereits 1939 eingehend erörterten bairischen Baubezeichnungen imZusammenhang mit einer Planaufnahme des Rosenheimer ZimmermeistersNikolaus Fuchs vom Jahre 1816 wäre besonders auf die Bezeichnung„ Lad-wand" für die Bohlenständerwand und„ Schlußwand" für den Blockbau zuverweisen. Wohl mit Recht vermutet Gebhard bei letzterem eine alte bayerischeBezeichnung( S. 56). Die ursprüngliche Benennung„ geschossener Bau”,„ ge-schossenes Haus" nach J. Scheidl( Dachauer Gegend, 15. Jh.) kommt inheimischen Ortsnamen wie„ Gschieß" oder„ Schützen am Gebirge" im Sinnedieser Blockbauweise ebenso zum Vorschein wie in der südbairischen Benennungverwandter Zaunformen als ,, Schoßen" oder„ Schußzaun" oder in derWeber- ,, schütze".
Oskar Moser, Graz
Festschrift für Torsten Gebhard. Jahrbuch der bayerischen Denkmalpflege.Forschungen und Berichte. Bd. 29, für die Jahre 1972-1974. 220 Seitenmit zahlreichen Abb. München 1975, Deutscher Kunstverlag.
Torsten Gebhard, verehrtes korrespondierendes Mitglied unseres Vereinesfür Volkskunde, ist 1975 als Generalkonservator des Bayerischen Landesamtesfür Denkmalpflege in den Ruhestand getreten. Seine Nachfolger und Mit-arbeiter haben ihm den neuesten Band des von ihm selbst viele Jahre hindurchgeleiteten Jahrbuches dieses Institutes als Festschrift gewidmet, und daher istder Band, wie alle Bände dieser Reihe, ebenso nobel wie inhaltsreich ausge-fallen.
Erfreulicherweise hat man darauf geachtet, daß Torsten Gebhard nichtnur Denkmalpfleger, sondern ganz besonders doch Vertreter der Volkskunde,insbesondere der Bauernhausforschung war und ist. Dieser in Bayern immerstark betriebenen Sonderdisziplin sind denn auch einige Beiträge des Bandesgewidmet, in dem man aber sicherlich mit großem Interesse auch die Studienüber den romanischen Bau des Domes zu Freising oder die Forschung zurBaugeschichte des Schlosses Nymphenburg lesen wird.
Für die Hausforschung fällt zunächst der Beitrag von Erich Wieserund Bernd Becker„ Die Entwicklung des spätmittelalterlichen Säulenbauesin Bad Windsheim und Uffenheim" auf. In der ehemals freien ReichsstadtWindsheim haben sich beim Abbruch mancher brüchig gewordenen Häuserbemerkenswerte Feststellungen ergeben. Es gibt dort Wandständerbauten, alsomittelalterliche Fachwerkhäuser, deren Holz datierbar ist. Man kommt mit derChronologie sehr genau ins 14. Jahrhundert, und hat damit echte Belege fürdie Bauweise mittelalterlicher Holzbauten in fränkischen Städten vor sich. Dasergibt für Wand- und Dachkonstruktionen zweifellos mehr, als man vorher
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