Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
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Leistungen ländlicher Handwerker handelt und wahrscheinlich auch um einjeweils ganz spezifisches Können örtlicher Werkstätten und Überlieferungen.

Diese Zusammenhänge sowie die besonderen historischen Voraussetzungenin der ländlichen Bauentwicklung des Frühindustrialismus dafür vermißt manleider in dieser Darstellung; auch die Materialauswahl wird so nicht rechteinsehbar. Erfreulich ist aber das Bemühen um Ortsnachweise und genauereDokumentation. Überrascht hat mich dabei die auffallend geringe Zahl vonDatierungen; bei immerhin 242 durchwegs sehr gut abgebildeten Beispielenfinden sich nur 20 datierte Fälle; die meisten um 1877, der früheste von 1847( Abb. 167), der späteste von 1913( Abb. 194) 2). Aber selbst bei diesen wenigenDatierungen scheint sich uns einmal mehr die späte Aufkunft dieser ländlichenHandwerkskunst zu zeigen, die zusammen mit der nachbiedermeierlichen Fas-saden- und Stuckzier am Bauernhaus eine der spätesten noch geschlossenenländlichen Bauschichten besonders in der Steiermark auszeichnet" und hervor-treten läßt. Daß sie vielen als liebenswert und wahrhaft heimatlich" erscheintund also selbst in der heutigen Zeit Bedeutung hat, beweist die erfreulich großeZahl von Mithelfern und fördernden Persönlichkeiten auch des öffentlichenLebens, die an der Arbeit des Verfassers wie am Buch selbst ihr Interessebekundet haben.Oskar Moser, Graz

Weststeirische

Volksdichtung.

Walter Kainz.Reime, Rätsel,Lieder, Kinderspiele und Sprüche. Mit einem Geleitwort von Univ.- Prof.Dr. Hanns Koren. Graz, Verlag für Sammler 1976. Geb., 260 Seitenund 4 Seiten Notenbeispiele zu Liedern und Balladen; 2 Jodler).

Auch dieser 2. Teil einer auf drei Bände berechneten Ausgabe( vorwiegend)weststeirischer Volksdichtung, den W. Kainz kurz vor Weihnachten 1975( wie im Impressum; auf der Titelseite bereits 1976) vorlegen konnte, erwuchsaus der eigenen Sammeltätigkeit als Lehrer und Musiker 1925-1941 im west-steirischen Bezirk Voitsberg fast ausschließlich unter dessen kleinbäuerlicherBevölkerung im Berg- und Hügellande. Die sehr bewußt möglichst mundartnaheangefertigten Aufnahmen wurden nunmehr durch Mitteilungen seiner Lehrer-kollegen aus Dörfern des gleichen Bezirkes da und dort ergänzt, so daß auchdiese Ausgabe wiederum ähnlich der des 1. Bandes( Weststeirische Sagen,Märchen und Schwänke, Graz 1974)( hier angezeigt Österr. Zs. f. VolkskundeXXVIII/ 2/ 1974, S. 168 ff.) als eine auf gezählte 1248 Nummern erweiterteNeufassung gegenüber einer kleinen, hektographiert im Eigenverlag 1943 heraus-gebrachten Auflage der Volksdichtung aus dem Kainachtal, II. Teil: Kinder-reime, Rätsel, Verse, Schnaderhüpfl, Sprichwörter, Wetterregeln und Lostage"bibliographisch einzuordnen ist. Aber auch thematisch sind andere Elementeder sog. Kleinformen der Volksdichtung verstärkt hinzu gekommen. So z. B.Kosereime, Spott- und Neckverse der Kinder, Tiernamen, Kettenreime undSchnellsprechsätze. Auch Festreime( Glückwunschformeln, Bettelverse) des Um-zugsbrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag zugsbrauchtums im nunmehr fast verschwundenen Heischegang- Formelgut derJahrlauftermine. W. Kainz nimmt hier( S. 87 ff.) auch einige Balladen, z. T. un-mittelbar auf das leidvolle Geschehen des 1. Weltkrieges bezogen, wie Nr. 925, Zu Grodek auf den Höhen..." oder 927 Der Soldat und sein Mütterlein",auf. Für manches Scherzlied, z. B. für die Auf der blauen Donau"-Strophennimmt Kainz in seinen( immer nur sehr knapp gehaltenen Anmerkungen( 241 bis260) Import aus Wien an. Das dürfte auch für das coupletartige Wochenlied"Nr. 937 gelten. Besonders reich ist die Spruchweisheit" vertreten, verhältnis-

2) Bei Abb. 78 dürfte wohl Slovenska Bistrica statt ,, Victrika" gemeint sein.Grambach( Abb. 88, 167) ist an der Straße nördlich Hausmannstätten, also südl.von Graz zu suchen.

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