Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
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Veröffentlichungen von Rundfunkleuten in Österreich wie etwa Friedrich Haideroder Gustav Fochler vergleichen. Es ist ein volkstümliches Buch, in das vielan Erfahrungen aus dem Rundfunkleben, aus der Kenntnisnahme von Brauch-gestaltern, Sängern und Musikanten eingegangen ist. Kein wissenschaftlichesBuch also, aber eine lebensvolle Darstellung, die im wesentlichen den Bestandin der Gegenwart zeigt, wobei zwischen Altbeständen, stillen Erbgütern undfolkloristischen Weiterformungen nur knapp unterschieden wird. Für die Fern-sehdarbietung geht ja wohl auch oft eines in das andere über. Aber der griffiggeschriebene Text, mit Literaturangaben und einem Register versehen, zeigtschon auf, daß der Verfasser zwischen den einzelnen Traditionsstufen zu unter-scheiden versteht.

Er informiert zunächst kurz über Herkunft und Wesen der Bayern, machtauch darauf aufmerksam, daß, entsprechend den Grenzen des Freistaates, auchüber Franken und Schwaben berichtet werden muß, und läßt an seiner ästhetisch-umweltschützerischen Einstellung keinen Zweifel. Für ihn ist die allgemein-gültige Feststellung tägliches Brot, daß Bräuche inzwischen Museumsexponategeworden sind, Relikte der untergehenden regionalen Kulturen im großen Welt-museum der vorindustriellen Zeit", aber man wird seine Einstellung und auchseine Darstellung nicht als sentimental bezeichnen können. So bringt SimonAiblinger zunächst einen Hauptabschnitt über Bräuche heute", dann einenweiteren über Tracht und Trachtenmode", schließlich den dritten über, Volks-musik, Lieder, Tänze, Instrumente", und mehr anhangweise folgen noch dieAbschnitte über Zeitvertreib"( Essen und Trinken, Bauerntheater, sportlicheWettbewerbe) und Festspiele". Ein Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum- Kalender" orientiert nochrasch, wo sich wann bekannte Leonhardiritte und verwandte Schaubräuche ab-spielen. Das ist alles verhältnismäßig knapp gefaßt, unter Trachtenwallfahrten"findet man auch Christophorus- Autoweihen", und was sich eben so gedrängtzusammenordnen läßt. Daß der Josefitag sehr kurz wegkommt, die Starkbier-zeit" dagegen etwas ausführlicher, entspricht den bayerischen Verhältnissen, diesich durchaus landschaftsgemäß berücksichtigt finden. Man wird schon deshalbdas Buch weiterhin vergleichend mitberücksichtigen. Leopold Schmidt

Paul Friedl, Geister im Waldgebirg. 176 Seiten, 55 Abbildungenalter Holzschnitte aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Rosenheim 1975.Rosenheimer Verlagshaus Alfred Förg. DM 18,80.

Von Paul Friedl, dem bäuerlichen Kenner des Bayerischen Waldes, ist vorkurzem, 1974, der Band Prophezeiungen aus dem bayrisch- böhmischen Raum"erschienen, ein Buch, das schon in den dreißiger Jahren einmal erschienen war,damals aber offiziell gar nicht geschätzt wurde. Diesmal hat es mehr Anklanggefunden, wozu wohl auch die schöne Ausstattung, die der Verlag seinen,, Rosenheimer Raritäten" zu geben pflegt, mit beigetragen haben mag.

Wiederum sehr schön ausgestattet, in zweifarbigem Druck, liegt nunmehreine Sammlung von Geschichten vor, die so zwischen Sage, Spukgeschichte und,, Alltäglichem Erzählen" liegen. Paul Friedl hat zu den einzelnen kleinenGruppen jeweils eine knappe Einführung geschrieben, und dann den Texteinmal( links) in Mundart und dann( rechts) in Übersetzung gegeben. Daberichtet er, was die Leute erzählt haben und noch erzählen von der Haus-schlange, von der Totenuhr, von der Stubenecklurl" und dem Weiherz"( dem Aniweign", wie es bei uns heißt), von der Wilden Jagd und den Irrlichtern,vom ,, Anhauch", der die Lungenkrankheit bringen soll, und der Drud", diesich eigentlich als arges Magendrücken herausstellt. Er erzählt vom Totenvogel,vom ,, Stilzl", von Nebelfrau und Irrwurzel, Heidelbeergeistern und Schwammerl-hexen, also Gestalten, die sich kaum mehr als geglaubt fassen lassen, wovon

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