Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
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Karl Freiherr von Leoprechting, Bauern brauch und Volks glaubein Oberbayern. Unveränderter Textneudruck der Originalausgabevon 1855, teilweise als Faksimiledruck. Mit Vorwort, biographischem Nach-wort und Register mit Worterklärungen von Josef Pfennigmann.München 1975. 320 Seiten. Süddeutscher Verlag. DM 24,-.

Die Originalausgabe dieses Buches unter seinem wirklichen Titel Ausdem Lechrain. Zur deutschen Sitten- und Sagenkunde" von 1855 werden wenigeInstitute und Sammler besitzen. Die Neuausgabe, die Josef Hof miller 1924veranstaltete, könnte sich wohl noch öfter finden, nach ihr wird auch meistenszitiert. Es war daher sicherlich gut, nach einhundertzwanzig Jahren einenschönen Neudruck des ungemein wertvollen Werkes zu veranstalten, an demden Kenner nur der neue Titel stören wird: Der Freiherr von Leoprechting hatwirklich nur von seinem Schloß in Pöring bei Landsberg am Lech aus gesammelt,das übrige, doch recht weitläufige Oberbayern ist in anderen Sammlungenbehandelt worden, für die aber Leoprechtings Sammlung meist das Vorbild war.Leoprechting selbst ist vor allem von Schmeller und von Friedrich Panzerbeeinflußt worden, er lebte wie diese im Spätbiedermeier und hatte für dieVeränderungen von 1848 ab und zu ein kräftig ablehnendes Wort.

Der Neuherausgeber hat für seine kurze Einleitung das Vorwort vonJosef Hofmiller aus dem Jahre 1924 verwendet, für das biographische Nachwortden Nachruf von Hyazinth Holland von 1865. Auf diese Weise läßt sich'seigentlich recht leicht Bücher machen. Aber wenn ein Verlag sich darauf ein-läßt, und es handelt sich, wie in diesem Fall, um ein des Neudruckes würdigesBuch, warum sollte es dann nicht so sein.Leopold Schmidt

Simon Aiblinger, Vom echten bayerischen Leben. Bräuche,Feste, Zeitvertreib. 319 Seiten, 8 Farbtafeln mit 15 Farbfotos,113 farbige Zeichnungen im Text. München- Bern Wien 1975. BLV-Verlagsgesellschaft. DM 39,-.

Das große Land Bayern mit mehr als doppelt so viel Einwohnern wieÖsterreich hat kein Volkskundemuseum. Es hat aber auch keine Volkskunde inBuchform; in jenen Jahrzehnten, als für viele deutsche Landschaften derartigelandschaftlich- stammheitlich geformte Volkskunde- Darstellungen erschienen, gabes offenbar niemanden, der ein solches Buch unternehmen wollte oder konnte.Zusammenfassende Darstellungen oder doch Materialsammlungen sind eher füreinzelne Teile des ehemaligen Königreiches und späteren Freistaates erschienen,vor allem für Altbayern. Einzelforschungen wurden in reicher Fülle erstellt,darunter hervorragende, die methodisch sehr wichtig werden sollten. Aber zuÜbersichtsdarstellungen, die freilich auch schwer zu erstellen sind, hat der Elannie gereicht.

In den letzten Jahren haben sich alle Bemühungen um die bayerischeVolkskunde deutlich verstärkt. Bayerische Sagensammlungen, Kataloge baye-rischer Möbel, Gesamtdarstellungen des bayerischen Bauernhofes, das hat sichalles bereits bewerkstelligen lassen. Daneben erschienen und erscheinen weiter-hin verhältnismäßig viele Bücher, die in mehr oder minder volkstümlicher Formgrößere Gebiete zu überblicken versuchen, zum Teil wohl auch aus dem Be-mühen einiger tüchtiger Verleger heraus, handfeste, schön gemachte Bücher fürein sonst zu wenig beachtetes und daher gewünschtes Gebiet auf den Bücher-markt zu bringen.

In diese Reihe gehört sicherlich auch das vorliegende Buch eines bayeri-schen Rundfunkmannes, der für das Bayerische Fernsehen die Reihe Unterunserem Himmel" gestaltet. So läßt sich das Buch von vornherein mit ähnlichen

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