Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
Einzelbild herunterladen
 

Stücken sind manche veraltet, ihre Probleme sind nicht mehr die unseren. Stückeaus der bäuerlichen Jugendwelt Roseggers sind am ehesten bemerkenswert ge-blieben, etwa Das Tischgebet" oder Von der Gemütlichkeit der Bauern" und,, Eitelkeit und Übermut der Bauern". Für manche Leser wird die herbe kritischeNotiz ,, Künstliches Volkstum" besonders interessant sein, welche schroff die,, künstliche Wiedereinführung des Volkstums" als Maskerade" bezeichnet, unddas 1895.

Eine köstliche Belebung der Texte stellen die Zeichnungen Roseggers dar,schlichte Laiengraphiken aus seiner obersteirischen Heimatwelt. Und während diemeisten Artikel eher kritisch- ernst anmuten, kann man bei diesen harmlosenZeichnungen des wandernden Schneidergesellen von einst oft herzlich lächeln,wenn man sich am Sachlichen von Tracht und Gerät genug Wichtiges abgelesenhat.Leopold Schmidt

Der Leobner Strauß. Beiträge zur Geschichte, Kunstgeschichte und Volkskundeder Stadt und ihres Bezirkes. Bd. 3. Geleitet von Günter Jontes. Heraus-gegeben vom Kulturreferat der Stadt Leoben. 1975. 116 Seiten, Abb. aufTafeln.

Auf dieses neue Jahrbuch muß besonders aufmerksam gemacht werden,weil es schon im Untertitel deutlich auf das Fach Volkskunde hinweist. Die Zahlder wichtigen steirischen Periodica zeigt sich dadurch auf wertvolle Weise ver-mehrt. Freilich ist all das angesichts der steigenden Bedeutung von Leoben, demStandort der berühmten Montanistischen Hochschule, die heute schon Montan-Universität heißt, verständlich. Auch das Museum der Stadt Leoben hat ja in denletzten Jahren an Geltung zugenommen.

Aus dem reichen Inhalt des von Günter Jontes, dem Direktor jenesMuseums, redigierten Bandes sei besonders auf den Beitrag von Karl Haiding Über eine Wildfrauensage Glossar ::: zum Glossareintrag  Wildfrauensage aus der Umgebung Trofaiachs" hingewiesen, der andie Veröffentlichung von August Sutter in unserer Zeitschrift( ÖZV 73/1970,S. 285 ff.) anschließt. Es handelt sich um eine gute Fassung der Sage von der Mahrtenehe", in jenem Motivzusammenhang, bei dem das goldene Haar dersaligen Beischläferin von der Ehefrau behutsam zurückgelegt wird. Haiding, derprofunde Kenner der Volkserzählung, verfolgt das Motiv in den steirischenFassungen und weit darüber hinaus. Er geht auch auf die andere Fassung derSage ein, die meist als Geschlechtersage auftritt, nämlich jene Geschichte, in derdie rechtmäßige Gattin den Schlaf der unirdischen Nebenbuhlerin nicht stört,sondern einen Schleier über deren Füße breitet. Das Motiv hat bekanntlich EmilStrauß in seiner ergreifenden Novelle Der Schleier" verwendet. Dazu und zudem ganzen Komplex vgl. jetzt Hans- Friedrich Rosenfeld, Ausgewählte Schriftenzur deutschen Literaturgeschichte usw.(= Ausgewählte Schriften Bd. I), Göppin-gen 1974. S. 3 ff. Haiding steuert seine reich mit Anmerkungen belegte Unter-suchung eher in die Richtung der Schwanjungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag  Schwanjungfrau- Geschichten hin. Aber für dielange Tradierung hat doch wohl eher der menschliche Gehalt des Motives imBereich der Saeter- Ehe maßgeblich gewirkt.Leopold Schmidt

Oskar Moser, Die Sagen und Schwänke der Apollonia Kreu-ter. Leben und Überlieferungen einer Kärntner Volkserzählerin. 166 Sei-ten, mit einigen Abb. Klagenfurt 1974, Verlag Johannes Heyn.

Kärnten ist bekanntlich an Sagen sehr reich, und seit langem wurden undwerden sie auch aufgezeichnet und veröffentlicht. Oskar Moser, der unermüd-liche Wanderer, Photograph und Forscher, hat sich vielfach damit beschäftigt,besonders anläßlich der Herausgabe der Sagen aus dem Glödnitztal" von

86