Jahrgang 
79 (1976) / N.S. 30
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Die Kultmale( Bildstöcke, Wegkreuze usw.)

des Marchfeldes

Von Walter Berger

Einleitung.

In weiten Bereichen der Volkskunde gilt für unsere Generation,daß sie die erste und zugleich die letzte ist. Die erste Generation,welche den kulturellen, geistigen wie seelischen Wert des Materials inseinem ganzen Umfang erkennt und mit modernen, zum Teil geradezuexakt- wissenschaftlichen Methoden an seine Auswertung gehen kann,

und zugleich die letzte Generation, welche dieses selbe Materialnoch zur Verfügung hat. Mehr oder weniger weitgehend zur Verfügunghat, denn erschütternd ist die Menge des mittlerweile ohnehin bereitsunwiederbringlich Zerstörten und Verschwundenen. Immerhin sindauch die Überreste eindrucksvoll genug und vorläufig immer noch aus-reichend, um Volkskunde ,, lebendig, in freier Natur" betreiben zukönnen. Freilich: die Zeit drängt, und was nicht wir noch unter Dachbringen, wird für unsere Söhne und Enkel vielfach nicht mehr greifbarsein. Dieser Zeitdruck begründet und mag es auch entschuldigen,wenn derartige Studien lückenhaft ausfallen und wenn sie auf manche,durchaus bedeutsame Spezialfragen nicht eingehen, vor allem aufsolche, die umfangreichere Quellen- und Literaturstudien erfordernwürden.

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Dies alles gilt in besonderem Maße für die Erforschung der,, Kultmale", der, religiösen Kleinstbauwerke", der Lichtsäulen" und,, Bildstöcke, Wegkreuze" und, Marterln". Wie sehr hier das Materialin den letzten Jahrzehnten gelichtet wurde, zeigt allein der Vergleicheines beliebigen Areals auf der alten Ausgabe der ÖsterreichischenKarte 1: 50.000" mit der neueren Ausgabe. In dem auf das Blatt 42 Gänserndorf" entfallenden Bereich meines Untersuchungsgebietesbeispielsweise weist die alte Ausgabe( mit Berichtigungen bis 1935/42)noch 169,, Bildstöcke" und Kreuze oder Marterln" auf; in der neuenAusgabe( 1959) sind es deren nur mehr 103, und von diesen sindweitere 16 heute schon wieder verschwunden. Es steht also gegenwärtignoch knapp die Hälfte von dem, was vor einem Menschenalter ge-standen ist! ein erschütterndes Beispiel geistiger" oder kulturel-

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