quellenforschung gewonnenes Material in die Gesamtkonzeption eingebracht undschließlich eine geschlossene Monographie erstellt, die man in gewissem Sinnneben die schöne Franken- Trilogie von Karl- Sigismund Kramer stellen darf.
Schöller bringt zunächst eine Einführung, die sich mit Viehhaltung undWeidewirtschaft im fränkischen Raum beschäftigt. Es wird die Dorfgemeinschaftals Nachbarschaft und Wirtschaftsgenossenschaft ebenso beleuchtet wie die Wei-den der Kuh- und Schweineherden mit Haupt- und Nebennutzung. Die recht-lichen Seiten dieser Dinge werden durch die Besprechung der Weide- und Vieh-haltungsordnungen berücksichtigt. Ein eigenes Kapitel ist der Schafhaltunggewidmet, wobei wieder einmal stark unterstrichen wird, daß der„ Schäfer" mitdem Hirten nicht gleichzusetzen ist. Dann folgt das Hauptkapitel über„ Dasgemeine Hirtenwesen", das mit„ Hirtenstab und Hirtenverspruch" beginnt, im,, Verruf des Kuhhirten" dessen Sozialprestige behandelt, bei der„ Anstellung desGemeindehirten" die Termine, den Hirtenleitkauf, Hirtenhaushalt, Hirtenarbeits-platz usw. behandelt. Ausführlich ist der„ Entlohnung" gedacht, mit den„ Pfrün-den" und kleinen Rechten, einschließlich des Wohnrechtes im gemeindeeigenenHirtenhaus. Dann folgt die Schilderung der„ Huttätigkeit des Gemeindehirten",ferner die immer wieder auftretenden Hutrechtsstreitigkeiten, schließlich Beob-achtungen zum ersten und letzten Austrieb, wofür die Brauchtumsforschung Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumsforschung nocham ehesten vorgearbeitet hat. Als Anhang das Kapitel über die Funktionen desHirten außerhalb des Hutdienstes, die bis zu seiner Geltung als Vieharzt undHeilpraktiker gehen. Schließlich bringt der Abschnitt über die„ Sachkultur desHirten" noch einmal in Erinnerung, was hier in den letzten Jahrzehnten allesfestgestellt, zum Teil auch neu aufgesammelt und kartographisch geordnet vor-gelegt werden konnte. Die Schätze des Hersbrucker Museums, berühmt seit derHerdengeläute- Arbeit von Konrad Hörmann, haben hier besonders anregend
gewirkt.
Eine so umfangreiche Arbeit, die auf einer beträchtlichen, im Schrifttums-verzeichnis angeführten Literatur mitberuht und mit fast 1800 Anmerkungenbemerkenswert eingehend fundiert erscheint, kann nur dankbar begrüßt werden.Sie füllt eine seit langem bekannte und gefühlte Lücke und wird auf lange Zeitdie Basis der weiteren Beschäftigung mit dem Thema bleiben.
Leopold Schmidt
Konrad Bedal, Ländliche Ständerbauten des 15. bis 17. Jahr-hunderts in Holstein und im südlichen Schleswig.424 Seiten mit vielen Zeichnungen im Text und 60 Abbildungen auf Tafeln.Neumünster 1977, Karl Wachholtz Verlag. DM 85,—.
Ruth- Elisabeth Mohrmann, Volksleben in Wilster im 16. und17. Jahrhundert. 400 Seiten. Neumünster 1977, Karl Wachholtz Ver-lag. DM 35,.
Die Herausgabe neuer Schriftenreihen zur Volkskunde im deutschenSprachgebiet ist grundsätzlich zu begrüßen. Es sind in den letzten Jahrzehntenso manche eingeführte, traditionsreiche Zeitschriften und Schriftenreihen desFaches eingestellt worden, daß das Neuaufwachsen solcher Serien auf jeden Fallgünstig erscheint. Im vorliegenden Fall handelt es sich um die beiden erstenBände einer neuen Reihe„, Studien zur Volkskunde und Kulturgeschichte Schles-wig- Holsteins" und sie wird vom„ Seminar für Volkskunde der Christian-Albrechts- Universität in Kiel" herausgegeben. Ein persönlicher Herausgeber wirdnicht genannt, doch darf man annehmen, daß der ordentliche Professor derVolkskunde an der Universität Kiel, also Karl- Sigismund Kramer, die Reiheleitet. Der erste Band, diese umfangreiche Erhebung der alten Ständerbauten imLande, würde nicht darauf hinweisen. Konrad Bedal hat sich als Bauernhaus-
333