Volkskunde 1953, S. 159 ff.) veröffentlicht. Seit damals weiß man, daß der bedeu-tende Gelehrte der Aufklärungszeit auch für die Geschichte der Volkskunde vonbeachtlicher Wichtigkeit war. Unsere Zeit der hübschen Neudrucke hat nun einkleines Werk Westenrieders, das zu seiner Zeit eine völlige Neuheit darstellte,wieder vorgelegt, man wird dafür dankbar sein. Der volkskundliche Ertrag desBüchleins ist vielleicht nicht allzu groß. Eine Beschreibung eines Scheiben-schießens anläßlich einer Bauernhochzeit gehört hierher, dann der Hinweis aufdie Schaubräuche der Fischer wie das„ Panzenstechen", also eine Form desKufenstechens. Auch die Hinweise auf die volkstümlichen Wallfahrten vonForstenried und von Aufkirchen sind wichtig.
Der Verlag hat dem Neudruck einige nette kolorierte Stiche beigegeben,von denen der von„ Ammerland” durch die Darstellung der Fischerboote quel-lenmäßig wichtig sein dürfte. Diese Stiche entstammen der Ausgabe des Büch-leins von 1811, wogegen der Titelkupferstich mit seinen Fischern und ihrenNetzen von 1783 herrührt und somit der Entstehungszeit des kleinen sympa-thischen Werkes ganz nahesteht.Leopold Schmidt
nisch- westfälischen
Matthias Zender, Gestalt und Wandel. Aufsätze zur Arhei-Volkskunde und Kulturraum-forschung. Herausgegeben von H. L. Cox und G. Wiegelmann. 471 Sei-ten mit mehreren Abbildungen und Karten. Bonn 1977, Ludwig RöhrscheidVerlag.
Der frühere Ordinarius für Volkskunde an der Universität Bonn, der Her-ausgeber der neuen Folge des Atlas der deutschen Volkskunde, Matthias Zender,hat 1972 zu seinem 65. Geburtstag eine ungemein reiche, stattliche zweibändigeFestschrift gewidmet bekommen. Nunmehr zu seinem 70. Geburtstag legen ihmseine Schüler und Nachfolger diesen schönen Band mit vielen seiner eigenenAbhandlungen vor, und die Mitforschung wird dafür dankbar sein. Sind dochZenders meist sehr zurückhaltend vorgebrachte und oft in lokal begrenzten Zeit-schriften erschienene Abhandlungen durchwegs von hohem Wert. Wenn sie derUntertitel allzu bescheiden auf Rheinland- Westfalen beschränkt, so ist dies zwarder Intention Zenders entsprechend; ihr Wert, ihre Bedeutung strahlt jedochweit darüber hinaus. Das gilt vor allem für die wichtigen Arbeiten zu Volks-brauch und Volksglaube, wo so manche Studie, wie etwa die über„ Die Ver-ehrung des hl. Severinus von Köln", bis weit nach Skandinavien hin gelesenwurde und wird. Und von den Studien zur Volkserzählung haben diejenigenüber„ Kobold, Totengeist und Wilder Jäger" ebenso überregionale Bedeutungwie jene über die„ Verbreitung von Sagenmotiven und Vorstellungen des Volks-glaubens im Rheinland".
Man müßte jede einzelne dieser manchmal wirklich versteckt erschienenenStudien einzeln aufführen, um ihnen gerecht zu werden. Daß wir durch Zenderden westlichsten Westen des deutschen Sprachgebietes besonders gut kennen-gelernt haben, bezeugen hier wiederum die Arbeiten etwa zur VolkskundlichenStruktur des Kreises Schleiden" oder zu„ Eigenart und Entwicklung des Fest-tagsbrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag tagsbrauchtums im Raum Euskirchen", ein Beitrag, der in einer EuskirchnerFestschrift veröffentlicht wurde, die vermutlich schon am Nieder-, geschweigedenn am Oberrhein kaum bekannt wurde. Für Zender, der selbst aus der Eifelkommt, sind Studien wie jene über„ Das Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum als Zeugnis für Wesensartund innere Gliederung des Mosellandes" äußerst bezeichnend. Aber er ist dochmit vielen Untersuchungen über seinen Lebenskreis zu seiner eigenen Lebenszeithinausgegangen und hat so manche Arbeit dem mittelalterlichen Brauch undGlauben gewidmet. Etwa den„ Wallfahrten bei Fallsucht und Krämpfen" oderden ,, Matronen und ihren Nachfolgerinnen im Rheinlande", einem Dauerthemaim Umkreis des Rheinischen Landesmuseums in Bonn mit seiner speziellen
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