Walter Deutsch, mit Beiträgen von Helmut Huber und Ulrike Landkammer,Die Volksmusik des Bezirkes Scheibbs. Die tradiertenmusikalischen Formen. Brauchgebundene Anwendung. Sing- und Spiel-praxis( Heimatkunde des Bezirkes Scheibbs, Bd. 2). Scheibbs 1976, Hei-matkundliche Arbeitsgemeinschaft des Bezirkes Scheibbs, Verlag Rudolfund Fritz Radinger. 241 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und Noten.Nach dem Band„ Sagen" aus dem Bezirk Scheibbs in dieser von Hans-Hagen Hottenroth angeregten und geleiteten Schriftenreihe ist nunmehr der Band,, Volksmusik" gefolgt. Im Volksliedarchiv für Niederösterreich und Wien liegtbeachtlich viel an Aufzeichnungen noch von Pommers und Liebleitners Zeitenher, manches ist auch in der Zeitschrift Pommers abgedruckt worden. Nichtwenig davon ist nunmehr im Reprodruck in diesen Band übernommen worden,was ihn graphisch freilich ziemlich uneinheitlich macht.
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Der umfangreiche erste Hauptteil stammt von Walter Deutsch, derversucht hat, das recht umfangreiche, teils übernommene, teils selbst aufgezeich-nete Material zu gliedern und doch auch zur Gänze darzubieten. Da kommenzunächst die„ Tradierten musikalischen Formen", vor allem Ländler; dann dieVierzeiler" aus den vielen Orten des Bezirkes, etwa Steinakirchen, Göstling,Marbach an der kleinen Erlauf, Gresten, Purgstall; dann die Jodler; dann unter„ Singen" die eigentlichen Strophenlieder, also im wesentlichen die weltlichenLieder, ältere wie jüngere, zum Teil auch nach Flugblättern, von denen auchBeispiele wiedergegeben sind. Dann ein Querschnitt durch das Brauchtumslied Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumslied:Neujahrslieder, Totenwachlieder, Dreikönigslieder, Lichtmeẞlieder, Ratschen-bubensprüche, und das alles wieder mit Flugblattdrucken aus Steyr und Linzunterstrichen; schließlich Weihnachtslieder. Auf diesem Material baut Deutschseine Darstellung der„ Singarten" auf. Daran schließt die„ Spielpraxis" an, mitden Volkstänzen. Das alles wäre, wenn es über die knappen Herkunftsangaben( S. 157 ff.) hinaus einigermaßen kommentiert wäre, ein eigenes Buch.
So aber hat Hottenroth die Gelegenheit benutzt und eine Seminararbeiteines Volkskundestudenten aus der Gegend, Helmut Huber, abgedruckt, diesehr ansprechend das Totenbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Totenbrauchtum der Gegend und das dazugehörende Lied-und Gebetgut um Tod und Begräbnis behandelt. Das Resultat einer guten,genauen Ortskenntnis, einer„ Feldforschung". Die Verhältnisse sind nicht unbe-kannt; eine gewisse Besonderheit stellt nur das protestantische Totenwachbrauch-tum Glossar ::: zum Glossareintrag tum dar, von dem schon Franz Schunko zu berichten wußte. Die mit genauenQuellenangaben und einer Kartenskizze versehene Arbeit ist durchaus begrüßens-wert, auch durch die Angaben über die„ Überlieferungsträger", die namentlichund mit Altersangaben und den von ihnen beherrschten Liedern angeführtwerden.
Die zweite Ergänzung stammt von Ulrike Landkammer und behan-delt ,, Besonderes und Allgemeines in der musikalischen Situation des BezirkesScheibbs". Im Sinn von Walter Deutsch werden hier die Musikanten, ihre Instru-mente( Ziehharmonika, Zither, Gitarre) angegeben und Musikbeispiele vonjedem. Allgemein wird die Situation des Musizierens, einschließlich der Blas-musik, geschildert und eine„ Liste der Kleingruppen und tätigen Sänger undMusikanten" gegeben. Das ist also pure Gegenwartsaufnahme, wie sie ja geradeauf diesem Gebiet zur Zeit vielfach angestrebt wird.
Es ist zweifellos gut, solche beschreibende Arbeiten durchzuführen undihre Ergebnisse auch zu veröffentlichen. Daß es sich dabei vielfach um dasBekanntmachen schon längst bekannter, geläufiger Dinge handelt, wird sichfreilich kaum leugnen lassen. Daß im Bestreben, eine unmittelbare Gegenwartzu dokumentieren, die Möglichkeit einer vertieften Kommentierung übersehenwird, zeigt sich freilich auch recht deutlich. In allen drei Arbeiten werden kaum
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