Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
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reiche Brauchkapitel von Zender kommt ganz ohne Graebners Kriterien aus, obman das nun für gut oder weniger gut halten mag.

Dieses Kapitel Wiegelmanns, das übrigens in erfreulicher Sachlichkeit voneinem Kurzkapitel Aspekte vergleichender Forschung" von Gerhard Heil-surth abgeschlossen wird, steht vor jenem der Sachkultur Mitteleuropas".Da geht es nicht etwa wie bei Zender nun um eine wenigstens kursorische Dar-bietung des Stoffes, sondern wir werden wieder methodisch über Phasen desWandels" und Innovationszentren und Reliktgebiete" belehrt. Und Zenders,, gruppenspezifischen Unterschieden" entsprechen hier Objekte als Gruppen-merkmale". Eine angelesene Soziologie verstellt hier die tatsächliche volkskund-liche Forschung.

Die Verfasser haben offenbar selbst erkannt, daß ihnen mit diesem Buchnichts ganz Geglücktes gelungen ist. Jeder versucht noch einmal eine Zusam-menschau", wobei Heilfurth mit seinen Betrachtungen zu den sozialen Dif-ferenzierungen der Kultur" vielleicht das Beste geschrieben hat. Besonders mitseinem Schlußsatz( S. 231): Der Detailforscher, der diesen und jenen konkretenFakten nachgeht, hält vielfach allgemeine und systematische Zusammenfassun-gen für Hypertrophien, andererseits bewertet häufig derjenige, der theoretischorientiert ist und synoptisch arbeitet, die, Andacht zum Unbedeutenden' in fal-scher Weise abschätzig. In Wirklichkeit ist die Kooperation beider erforderlich,um die Volkskunde vorwärts zu bringen." Das ist also gut gesagt, läßt sich aberschon auf dieses Buch nur mühsam anwenden: Die stark auseinanderlaufendenMeinungen, einmal mit zuviel, das andere Mal vielleicht mit zuwenig Methodevorgetragen, lassen sich doch eigentlich nicht in einem Buch gemeinsam vor-tragen. Wenn Wiegelmann meint, es müsse von seiner Sicht aus gesehen weiterauch ein Handbuch erstellt werden, so wird man ihm dies gern zubilligen; derRezensent müßte es ja nicht lesen. In diesem Buch dagegen, das er lesen mußte,ist zuviel einander eigentlich Widersprechendes zusammengepackt, und dabeidoch wieder zu kurz, zu belegarm vorgetragen. Für uns in Süddeutschland,Österreich und der Schweiz wohl auch ein bißchen zu fern. Da schlägt manetwa die Karte 6, Wir winden Dir den Jungfernkranz Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfernkranz' im Hochzeitsbrauch um1930"( S. 139) auf: Und siehe da, die Belege reichen vom Norden her bis knappan die Mainlinie heran und der ganze weite Süden ist frei. Das ist geradezu sym-bolisch für das ganze Buch: Es ist, vielleicht etwas hart ausgedrückt, gar nichtfür uns geschrieben.Leopold Schmidt

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Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich. Herausgegeben im Auftragder Österreichischen Akademie der Wissenschaften von Eberhard Kranz-mayer. Bd. 2, 6. Lieferung. 220 Spalten. Wien 1976, Verlag der Öster-reichischen Akademie der Wissenschaften. S 150,-.

Diese 14. Lieferung des großen Wörterbuches reicht von Pelle bis Bezirkund ist wieder unter der Leitung von Maria Hornung durch WernerBauer, Ingeborg Geyer, Elisabeth Groschopf, Erika Kühn undWilfried Schabus gearbeitet. Die Lieferung ist besonders wichtig, weil sichdarin die ,, Perchten"-Artikel finden, also Percht, Perchtel, perchteln sowie alleKomposita. Die von Maria Hornung gearbeiteten Artikel umfassen die gesamteLiteratur und verzeichnen auch die entsprechenden Brauch- und Glaubenszüge.Trotz der knappen Fassung enthält diese Artikelfolge wohl alle wesentlichenBelege zu dem vielbesprochenen Thema.

Außer den Perchten- Artikeln sind manche andere, also etwa die über, Per"als Fischernetz, über die Beeren", über den Besen, über die Pergeln" sprach-lich und sachlich sehr ergiebig. Manche Belehrung wird man auch aus demArtikel über Peter, Petrus" entnehmen, der auch auf Legendenzüge, Liedzitate

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