Jahrgang 
80 (1977) / N.S. 31
Einzelbild herunterladen
 

Perusini interessierte sich für alle Bereiche des Volkslebens; seine bestenKräfte aber widmete er vielleicht der Rechtsvolkskunde. Erwähnt sei aus diesem

Bereich sein umfangreiches Werk: Vita di popolo in Friuli- Patti agrari econsuetudini giuridiche. Firenze 1961. Nicht minder wichtig sind seine grund-legenden Beiträge zur Erforschung der Tracht( Antichi costumi popolari friulani:Zona di aniago 1940; Zona di Cividale 1941), des Heimgewerbes, desBrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtums, des Volksglaubens, des Erzählguts, der Volkslieder und Volks-instrumente( seine diesbezügliche Arbeit aus dem Jahre 1944 erschien auch indeutscher Sprache: Zur Geschichte der Musikinstrumente, der Volksmusik undder Volksdichtung in Friaul, im Sammelband: Volkslied- Volksmusik- Volks-tanz ,,, Kärnten und seine Nachbarn", 1972).

Gaetano Perusini hegte eine ausnehmende Liebe zu seiner piccola patriadel Friuli" und war einer ihrer besten Kenner. Seinem scharfen Blick entgingnichts, was sich auf dieses Land bezog. Mit rechtzeitigen Ankäufen rettete ervor der Papiermühle und vor Verfall eine Reihe wichtiger Dokumente und gan-zer Privat-, Pfarr- und Schloßarchive. Mit größter Sorgfalt betreute er seinewertvolle Bibliothek, in welcher wir, seine Freunde aus der Nachbarschaft,periodische und andere Veröffentlichungen finden konnten, die nur sehr seltenin öffentlichen Bibliotheken Italiens vorhanden sind. Als richtiger friulanischerPolyhistor war Perusini geradezu berufen, die Schriftleitung von Ce Fastu?",des wissenschaftlichen Organs der Società filologica friulana, zu übernehmen.Unter seiner Führung seit 1944 bis heute erreichte die Zeitschrift eine beneidens-werte Höhe und veröffentlichte neben einheimischen auch Beiträge jugosla-wischer, österreichischer, deutscher und schweizerischer Mitarbeiter. Das letzteHeft, welches er noch selbst vorbereiten konnte, soll vor Ende 1977 erscheinen.Von niemandem abhängig, weit ausblickend, war Perusini ein weltoffenerMann, der sich bei keiner Gelegenheit scheute, zu betonen, wie sehr sein Friaulein einzigartiges europäisches Land sei, in dem jahrhundertelang die drei größteneuropäischen Volksstämme Romanen, Slawen und Germanen- miteinanderleben. ,, La zona delle Alpi Orientali", so schrieb er unlängst, è quindi uno deiterritori europei più interessanti per uno studio su piccola scala di fenomeni cheappaiono anche nel quadro generale europeo." Es war deshalb eine Selbstver-ständlichkeit, daß er einer der Mitbegründer der Freien volkskundlichen Arbeits-gemeinschaft Alpes Orientales" war. Er organisierte zwei ihrer Zusammen-künfte( Grado 1964, Resia 1975).

-

Mit Perusinis Tod ist in unseren Reihen eine unausfüllbare Lücke auf-gerissen wordenMilko Matičetov, Ljubljana

Georg Kotek

Prof. Dr. Georg Kotek, Ehrenvorstand des Volksgesangvereines in Wien,ist am 2. November 1977 im 88. Lebensjahr gestorben. Kotek, der beruflichLeiter der Rechtsabteilung der Wiener Stadtwerke war, hat sich zeitlebens mitder österreichischen Volkskultur, vor allem mit dem Volkslied beschäftigt. Schonvor dem ersten Weltkrieg hat er aufgezeichnet und Aufzeichnungen veröffent-licht, hat in seiner Sommerfrische Tragöß in der Steiermark das Volksleben,auch den Volkstanz beobachtet und seine diesbezüglichen Aufzeichnungen anRaimund Zoder weitergegeben. Der große Anreger und Organisator, der seit1924 Vorstand des Deutschen Volksgesangvereines war, gehört seit jenem Jahrauch dem Ausschuß des Vereines für Volkskunde an und hat hier drei Jahr-zehnte hindurch verdienstvoll gewirkt. Er war selbst Sammler guter, alter Volks-kunst und hat so manches wichtige Stück auch dem Museum vermittelt. Etwaein halbes Hundert Objekte hat er auf diese Weise dem Museum zur Verfügunggestellt, unter ihnen die berühmte schöne Pongauer Perchtenmaske mit dem auf-

306