Krankheit, Feuersnot, Kriegsgefahr, Raubüberfälle und schließlich Verkehrs-unfälle auf Straßen und Flüssen. Ein allgemeiner gehaltenes Kapitel„, Volks-frömmigkeit und Aufklärung" beschließt den Text. Die Berichte sind meist soausführlich gegeben wie nur möglich und zeitgeschichtlich kommentiert. In man-chen Fällen, beispielsweise bei der„ Feuersnot", wird auch die Bauernhaus-forschung für die Bild- und Textbelege dankbar sein.
Wie beim Rosenheimer Verlag fast nicht mehr eigens zu betonen: einschönes Buch mit vorzüglich wiedergegebenen Farbtafeln, die zum Teil diewesentlichen Bildausschnitte besonders vorstellen. Sachlich wäre manchmal einekleine Korrektur möglich; daß bairisch„ Dult" nicht von„ indultum"( S. 33)kommt( vgl. Schmeller II, 502 f.), hätte man bemerken sollen. In der Biblio-graphie sind manche Veröffentlichungen so zitiert, daß man sie schwerlich inBibliotheken wird finden können. Aber sonst, wie gesagt, ein schönes Buch.Leopold Schmidt
Anton Fillak, Sitte und Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum im Olmützer Ländchen(= Schriftenreihe des Heimatverbandes Olmütz und Mittelmähren e. V.,Nr. 19), 36 Seiten mit mehreren Abb. Steinheim am Main 1974. Quellen-verlag V. Diwisch.
Auf dieses schmale Heft mit Aufzeichnungen aus Schnobolin bei Olmützmuß eigens hingewiesen werden, weil die Erinnerungen an das alte Jahres- undLebensbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Lebensbrauchtum in diesen einstmals deutschen Siedlungen in Mähren vom star-ken persönlichen Gedächtnis des Verfassers getragen sind; und noch dazu berüh-ren sich die aufgezählten und knapp, aber lebendig dargestellten Braucherschei-nungen oft sehr eng mit jenen in Ostniederösterreich. Das Maibaumumschneidenetwa oder die„ Trauerdame"( schwarze Braut) beim Begräbnis eines Junggesel-len. Auch alles andere findet sich selbstverständlich, ob Federnschleißen oderSonnwendfeuer, und manche deutlich von Schlesien her beeinflußte Bräuchewie„ Schmeckostern" oder das erst spät im Zug der„ Brauchtumserhaltung Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserhaltung" ein-geführte ,, Saatreiten". In wenigen Sätzen werden diese Dinge beschrieben, wiesie in der Jugend des Verfassers üblich waren und sich ihm eingeprägt haben.In manchen Fällen konnte er, der nach 1945 in Bayern eine neue Heimat gefun-den hat, von Geschwistern und Jugendfreunden Ergänzungen erfahren, nichtzuletzt ein ganzes kleines Weihnachtsspiel vom Typus der Kindlwiegspiele schle-sischer Art.Leopold Schmidt
Ulrich Bentzien( Hrsg.), Rat z u, was ist das?- Rätsel undScherzfragen aus fünf Jahrhunderten( Die Sammlung:Deutschsprachige Literatur in Längsschnitten). 2. Auflage. Hinstorff,Rostock 1976. 288 Seiten.
Mit dieser Auswahl von 859 Rätselbeispielen, in ihrer Art der ersten inder DDR, will der Herausgeber„ einen gattungsgeschichtlichen Überblick gebenund Kenntnisse über eine nahezu vergessene kleine Form des literarischen Erbesvermitteln"( S. 270). Aus der Sicht volkskundlicher Fragestellungen ist ihm diessicher besser gelungen als etwa Volker Schupp mit seinem westdeutschenGegenstück ¹). Die vorliegende Anthologie enthält zwar auch Volksrätsel undKunsträtsel zu annähernd gleichen Teilen, doch sind hier unstreitig die Populär-formen solcher Dichtung in der Vorderhand. Das zeigt schon die Heranziehungder frühen Quellen, angefangen von Mones wichtigen Auszügen im Anzeiger fürKunde der teutschen Vorzeit, aus denen man vielleicht noch die einst beim Wie-
¹) Volker Schupp( Hrsg.), Deutsches Rätselbuch. Stuttgart 1972(= Reclams Universal- Bibl. Nr. 9405-9409).
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