Durch die Zusammenarbeit aller Volkskundler ist zu hoffen, daß gestellteAufgaben und Probleme gemeinsam wirkungsvoller angegangen und gelöstwerden können.Dr. Peter Stürz( Innsbruck)
Bericht über das 9. Internationale Hafnerei- Symposion( Handwerkliche Keramik aus Mitteleuropa) in Frechen vom 28. August bis5. September 1976
Das Symposion fand in diesem Jahr zum ersten Mal nicht in St. Justina/Osttirol statt. Anläßlich der Feiern zur 25jährigen Stadterhebung und 1100jäh-rigen urkundlichen Ersterwähnung hatte Frechen, altes traditionelles Steinzeug-zentrum im Rheinland, eingeladen. So stand das Programm hauptsächlich unterdem Aspekt der Steinzeugforschung. In Referaten wurden folgende Themenbehandelt:
1. Ingolf Bauer, München. Paul Stieber, Persönlichkeit und Werk; dasHafner- Archiv in München( Stiebers Lebensweg geboren 1915, gestorben1975, Ingenieur für Sondermaschinenbau, Musiker, Sammler und Fachmannfür Keramik- neue wissenschaftliche Betrachtungsweisen- systematischerAufbau des Hafner- Archivs- interdependente Aufbereitung des gesammeltenArbeitsmaterials und der Informationen- Hafner- Archiv im Bayerischen Natio-nalmuseum als Arbeitsstätte eingerichtet und zugänglich).
2. Wilhelm Elling, Vreden. Steinzeugtöpferei in Stadtlohn- Vreden( über Steinzeugtöpferei in Westfalen bisher kaum etwas bekannt Bartmanns-krüge ähnlich Frechen aufschlußreiche Scherbenfunde erste Hälfte 18. Jahr-hundert Zuwanderung und Einfluß aus dem Westerwaldgrau- blaueGebrauchsware wird heute noch produziert).
3. Stefan Vandenberghe, Mecheln. Archivalische gegebens omtrentde Mechelse pottenbakkers in het 15. en 16. eeuw( keramische Forschungen ausarchäologischer und archivalischer Sicht in Mecheln/ Belgien archivalischeQuellen ab 1420- Scherbenfunde jeglicher Art importierter Keramik).
4. Karl Göbels und Heinrich Schnitzler, Frechen. Die Keramik-sammlung der Stadt Frechen( Ausstellung im Rathaus- die wichtigsten Stückein gesicherten Depots- Steinzeug, Irdenware, Feinkeramik publizierter Kata-log, 242 Nummern, fast alle in den letzten 25 Jahren erworben Abbild derumfangreichen Produktion).
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5. Josef Horschik, Dresden. Sächsisches und thüringisches Stein-zeug I- III( Zuweisung bisher sehr oft zu Westerwald und Creussen- Waldenburg[ 1388], Altenburg, Zeitz, Bürgel Einfluß auf Creussen Erzgebirge, Anna-berg, Freiberg: Zuweisung erstmals von Horschik, Ähnlichkeit mit Creussen,farbiger Emaildekor durch wandernde Glasmaler- Muskau, Bunzlau, Naum-burg, Triebel: braune Ware unter Einfluß Waldenburgs. Zuschreibung nachMuskau durch lokale Funde, graue Gefäße nicht Westerwald, sondern Triebel).
6. Wingolf Lehnemann, Münster. Steinzeuggefäße in bürgerlichenHaushalten um 1860( Benutzungshinweise und Benennungen von Gebrauchs-keramik in Kochbüchern- Henriette Davidis:„ Praktisches Kochbuch”,„ DieHausfrau" Gebrauchsbezeichnung sollte auch im Museum stärkere Beachtungfinden).
7. Rüdiger Vossen, Hamburg. Film über primitive Glossar ::: zum Glossareintrag primitive Töpfertechniken inSpanien( Frauentöpfer an einfacher Handblockscheibe- hauptsächlich Wasser-flaschen und Kochgefäße Besonderheit halbrunde getöpferte Brotbacköfen).
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8. Werner Endres, München. Neuere physikalisch- chemische Unter-suchungen an Keramik( zu große Hoffnungen an die Naturwissenschaft ― ein-
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