Jahrgang 
81 (1978) / N.S. 32
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Den Hauptteil des Heftes aber macht der umfangreiche Katalogaus, den Mark-miller zu der Ausstellung ,, Wallfahrt im Volksbarock" gestaltet hat, die von 6. Mai 1978bis zum 25. Februar 1979 im Museum von Dingolfing stattfindet. Von den fünfhundertgut, knapp und exakt beschriebenen Objekten sind immerhin einige auch abgebildet. DaRudolf Kriss einstmals in der Gegend viel gesammelt hat, befinden sich zahlreiche Leih-gaben aus seiner heute im Bayerischen Nationalmuseum befindlichen Sammlung in dieserAusstellung, die sonst viel schönes Material aus den Kirchen und Kapellen wie aus anderenPrivatsammlungen enthält. Im ganzen also eine wirklich wertvolle Fortsetzung derbayerischen Wallfahrtsvolkskunde.

Leopold Schmidt

SIGRID BRAUNFELS- ESCHE, Sankt Georg. Legende, Verehrung, Symbol.228 Seiten, mit 214 Abb., mehrere Farbtafeln. München 1976, Verlag Georg D. W.Callwey.

Ikonographische Arbeiten sind zur Überprüfung der Befunde von Arbeiten auf demGebiet der religiösen Volkskunde stets hochwillkommen. In diesem Fall ganz besonders,weil die in manchen Zeiten so überaus ansehnliche Georgsverehrung doch in die verschie-densten Gebiete hineingereicht hat, offenbar auch seelisch immer neue Tiefen erreichenkonnte, bis dann mit der Aufklärung deutlich ein Auslaufen erfolgte, das schließlich bis zudem päpstlichen Dekret von 1969 geführt hat, das den anderthalbtausend Jahre hindurchverehrten Märtyrer aus dem offiziellen Heiligenkalender gestrichen hat.

Eine Fiktion also, ein antiker Legendenroman, allmählich zum Märchen geworden,immer auch märchenhaft verbildlicht, mit dem Anwachsen des Märtyrers zum Soldaten-heiligen, dann zum Ritter, der sozusagen mit den Kreuzzügen zu Pferd steigt, einen immerbildhafter gestalteten Drachen zu bekämpfen hat, und in immer betonterem Ausmaß eineJungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrau retten muß, die erst mit der Zeit den Namen Margareta bekommen hat, ohne des-halb die gleichfalls legendäre, gleichfalls einen Drachen bändigende hl. Margareta zu sein.Das begleitet alles den Aufstieg des mittelalterlichen Rittertums, geht in der frühenNeuzeit noch auf sehr viele Fürsten über, auch mit den Gründungen der vielen Georgs-Ritterorden, die dann merkwürdigerweise kaum mehr eine rechte Bedeutung gewinnensollten. All das hat einen überaus dichten Niederschlag in Dichtung, Schauspiel, Plastikund Malerei gefunden, wobei die an Gebrauchsobjekte gebundene Malerei noch gar nichtrecht ausgeschöpft ist. So haben sich beispielsweise erst nach dem Erscheinen des schönenBuches von Sigrid Braunfels- Esche die vielen Tartschen der Wiener Bürger des 15. Jahr-hunderts genauer begutachten lassen, die in so erstaunlicher Zahl das Bild des hl. Georgaufweisen, ohne daß die bisherige Wiener Literatur dies hätte begründen können¹).

So ist diese Monographie also auch von uns aus sehr zu begrüßen, womit auch dieAnerkennung verbunden sein soll, daß Text und Bilder bis zur Gegenwart reichen, daßalso beispielsweise der Further Drachenstich ebenso dokumentiert erscheint wie derAuerberger Georgiritt oder der Effeltricher Georgitag. Es steckt ein großes, nicht leicht zuverstehendes Kapitel volkstümlicher Kultur- und Geistesgeschichte in dieser Darstellungder Georgsverehrung und Georgsikonographie. Und so mancher Leser wird wohl auch fürdas Kapitel ,, Kleine Ikonographie"( S. 197ff.) dankbar sein, das den beinahe naivenUntertitel ,, Woran man auf Bildern St. Georg erkennen kann trägt. Ein kleiner ikono-graphischer Wiederholungslehrgang, der sicher niemand schaden wird.

Leopold Schmidt

¹) Vgl. Leopold Schmidt, Zur Geschichte, Funktion und Ikonographie derWiener Tartschen des 15. Jahrhunderts( in: Katalog der Ausstellung Das Wiener Bürger-liche Zeughaus. Rüstungen und Waffen aus fünf Jahrhunderten. 49. Sonderausstellung desHistorischen Museums der Stadt Wien. Wien 1977. S. 44 ff.)

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