Jahrgang 
81 (1978) / N.S. 32
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mit vielen Leihgaben aus beinahe allen Wiener Museen und manchen noch darüberhinaus, sondern auch mit den Themen der einführenden Abhandlungen. Werner Gallerhat zwei Beiträge zur Verfügung gestellt, einen über ,, Die Jagd in der Volkskunst", undeinen zweiten, vielleicht noch lebendigeren über, Wilderer- Unter besonderer Berück-sichtigung Niederösterreichs". So unsympathisch das Thema ist, das Juristen und Psychia-ter mehr angeht als uns, es muß doch immer wieder behandelt werden, und die Heran-ziehung von Wilderersagen und Wildererliedern, mit entsprechenden Aussagen vonWalter Deutsch, rechtfertigt das Kapitel. Gerhard Winkler hat sich der, Kulturge-schichte der Jagd unter besonderer Berücksichtigung Niederösterreichs" angenommen,und Peter Hofmann kurz ,, Bemerkungen über das jagdliche Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum" beigesteuert.Ein schöner, ikonographisch sehr wertvoller Beitrag ,, Die mystische Einhorn- Jagd alsAllegorie der Verkündigung stammt von Gregor Martin Lechner, dem kunsthisto-rischen Betreuer der Kunstsammlung des Stiftes Göttweig, das eine Reihe wertvollerGraphiken aus seinen gewaltigen Beständen als Leihgaben zur Verfügung gestellt hat.

Das Studium der vielen Ausstellungsgegenstände, wenigstens nach den Abbildun-gen, mag noch manchen volkskundlichen Interessenten auf wichtige Einzelerkenntnissebringen. Daß der Wiener Romantiker Eduard Schaller etwa ein mächtiges Ölbild ,, DieWilde Jagd" gemalt hat( Nr. 200), ist wohl nicht allgemein geläufig. Der Lainzer Tier-garten hat etwas mit der Geschichte der Hofjagden zu tun, das ist gewiß. Daß im 18. Jahr-hundert eine Mauer um diesen gewaltigen Tiergarten gebaut wurde, ist auch sicher. SeinErbauer soll ein Philipp Schlucker gewesen sein, dessen Porträt hier( Nr. 500) gezeigtwird, und dabei steht, beinahe selbstverständlich, der sprichwörtlich gewordene ,, armeSchlucker". Die Redensartenforschung hat zwar längst( OZV XXXI/ 80, 1977, S. 299f.)nachgewiesen, daß es sich dabei um eine Art von Wiener Ortssage handelt, aber sie wird,wie Exemplum zeigt, eben immer weiter mitgeschleppt.

Ich habe in meine Bibliographie zur Gegenwartsvolkskunde" 1976 auch einKapitel ,, Jagd, Jäger( S. 30f.) aufgenommen, was prompt den Grimm eines bun-desdeutschen Kritikers erweckt hat. Es ist bedauerlich, daß jüngere Kollegen, die inden sechziger und frühen siebziger Jahren draußen Volkskunde, oder eher Kultur-anthropologie", studiert haben, gar kein Verständnis für die vielen Gebiete besitzen, diewir nun einmal alle mitbehandeln müssen, ob als Jagdfreunde oder als Jagdgegner, oderdoch eher als objektive Beobachter auch der Jagd und der Jäger. Vielleicht trägt dieMarchegger Ausstellung und ihr mächtiger Katalog wieder ein bißchen dazu bei, auchsolche Fachkollegen, die das Gebiet offenbar immer nur ausschnittweise vorgesetzt be-kommen haben, zur Erfassung des Ganzen, auch in seinen Teilen, zu bringen.

Leopold Schmidt

INGEBORG WEBER- KELLERMANN, Brauch, Familie, Arbeitsleben.Schriften, ausgewählt und herausgegeben von Andreas C. Bimmer, Gitta Böth,Annemarie Schenk, Harald Schäfer, Dorothea Zeh(= Marburger Studien zur ver-gleichenden Ethnosoziologie, Bd. 10). Marburg 1978. Studienkreis für EuropäischeEthnologie e. V. 236 Seiten, mit einigen Abb. DM 30,-

Am 26. Juni 1978 hat Ingeborg Weber- Kellermann ihren 60. Geburtstag feiernkönnen. Mitarbeiter und Schüler haben ihr zu diesem Tag einen Band ihrer ausgewähltenkleinen Schriften vorgelegt, was gut und sinnvoll erscheint. Das von Frau Weber- Keller-mann so wohlgepflegte Gebiet der Forschungen bei den Deutschen im Südosten ist dabeiausgespart geblieben, da ja fast gleichzeitig der von ihr herausgegebene Band ,, Zur Inter-ethnik. Donauschwaben, Siebenbürger Sachsen und ihre Nachbarn" Frankfurt 1978 er-schienen ist. Man vermiẞt diese an sich wichtigen Studien hier vielleicht nicht so sehr, weildie in diesem Sammelband aufgenommenen Studien doch hauptsächlich die in Berlin undin Marburg gearbeiteten neuen, eigenständigen Arbeiten darstellen, mit denen die Ver-fasserin oft sehr anregend in die jeweilige Fachdiskussion eingegriffen hat. Ich meine dabeiweniger die Kapitel aus ihrem großen und wichtigen Werk über die Erntebräuche, im

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