Jahrgang 
81 (1978) / N.S. 32
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chens gestellt, wie sie im Lauf des 19. Jahrhunderts von Hessen, Baden, Schwa-ben und Mecklenburg, von Schleswig und der Mark Brandenburg ausgehendweiterhin in Frankreich, Spanien, ja in Sibirien und in Finnland gefunden wur-den. Den Abschluß des Textteiles bildet die Aufzeichnung August Stöbers ausdem Elsaß von 1842, mit dem goldenen Vögelchen als Helfer. Rölleke hat derhübschen Ausgabe die schönsten Märchenillustrationen des so ganz besonderenFischer- Märchens hinzusetzen lassen, von denen die Zeichnung von MarcusBehmer von 1920 vielleicht noch immer den stärksten Eindruck macht. Eingelungener Band, dem das Anknüpfen an einen Roman der Gegenwartsliteraturnicht schadet.Leopold Schmidt

Märchen der Weltliteratur. Begründet von Friedrich von der Leyen. Heraus-gegeben von Kurt Schier und Felix Karlinger. Neue Bände.

Märchen aus Mexiko. Herausgegeben und übersetzt von Felix Karlingerund Maria Antonia Espadinha. Düsseldorf- Köln 1978, EugenDiederichs Verlag. 256 Seiten. DM 26,-.

Die berühmte Märchen- Reihe des Diederichs- Verlages bringt immer wie-der neue Bände, wobei mancher davon andere schon bewährte ergänzt. FürMexiko glaubten wir mit dem Band von Walter Krickeberg, Märchen derAzteken und Inkaperuaner, Maya und Muisca. Jena 1928, bzw. Düsseldorf- Köln1976, versorgt zu sein. Jetzt stellt sich heraus, daß Mexiko, das sich als Indianer-staat Glossar ::: zum Glossareintrag staat fühlt, doch weitgehend Land der Mestizen ist, in dem ja bekantlich auchSpanisch als Landessprache gesprochen wird, wodurch der europäische Anteilan der Volkskultur schon betont erscheint. Das hat die Herausgeber veranlaßt,neben die altmexikanischen Mythenmärchen und die im wesentlichen als Tier-fabeln auftretenden Indianermärchen Glossar ::: zum Glossareintrag  Indianermärchen nunmehr auch Märchen mit deutlicheneuropäischen Beziehungen und Legendenmärchen zu stellen, auf die FelixKarlinger nun doch schon seit langem so intensiv aufmerksam macht. Trotz dermanchmal in Mexiko praktizierten Kirchenfeindschaft ist das Land auf seineWeise doch christlich, und die Legende aus der Volkserzählung daher nichtauszuschalten.

Der vorzüglich gemachte Band mit dem aufschlußreichen Nachwort, demguten Literaturverzeichnis und den lesbaren Anmerkungen( bei denen im Gegen-satz zu früheren Bänden auf die internationalen Typennummern verzichtetwurde), bringt tatsächlich so manches Märchen, das mit europäischen Überlie-ferungen aufs engste verbunden ist. So 22 Die Blume, die sang", was zum, Sin-genden Knochen" zu stellen ist; so 24, Juan Oso", ein offensichtliches Bären-sohnmärchen; so 33 Der dankbare Tote", oder 34 Der gute Räuber', so dieSchwänke 35 von Pedro de Urdemalas", einer Eulenspiegelfigur. Die Legenden-märchen, etwa 36 Der heilige Rafael als Begleiter" oder 37, Die heiligen dreiKönige als Paten" gehen manchmal merkwürdige Wege. Manches davon, etwa39 Was Jesus und Petrus in unserem Lande passierte" oder 40 Der Pfarrerund der alte Mann", mag einstmals als Predigtexempel erzählt worden sein.Anderes, wie etwa 46,, Der Zauberer- Wettkampf" kommt offenbar aus der Gro-schenheft- Literatur, deren Bedeutung man also auch in Mittelamerika nicht aus-schließen kann.

So bleibt das Bild des Märchens in Mexiko ein sehr buntes, man freut sich,damit bekanntgemacht worden zu sein. Das Nachwort erwähnt( S. 226) eingedankenvolles Wort des Philosophen Samuel Ramos: Er- der Mexikanerist kein Europäer, denn er lebt in Amerika, und er ist ebenso wenig Amerikaner,denn der Atavismus erhält ihm den europäischen Sinn des Lebens." Das läßtsich tatsächlich an den hier vorgelegten Märchen ablesen.

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