reichen zweiten Teil werden dann die eigentlichen volkskundlichen Aspekte be-handelt, nämlich Struktur und Organisation der Gesellschaften, ihr seit denAnfängen fast unverändertes Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum, Spruch- und Musikgut sowie die Sach-güter. Zwei Erscheinungen ziehen besonders die Aufmerksamkeit auf sich. Dieeine ist die Person des Zielers, die andere das Schützenmahl, welches sich an dieletzte Schießveranstaltung der oftmals recht verschieden dauernden Saisonanschließt, vergleichbar damit der Arbeitsabschlußverehrung, die K. S. Kramerals eines der Kernelemente des Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtums gekennzeichnet hat 2). Aber auchParallelen zum Hochzeitsbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Hochzeitsbrauchtum sind nicht zu übersehen. Das gilt geradeauch für den harlekingewandeten Zieler, in dessen Person sich heute mehrereFunktionen vereinen, die des Trefferanzeigers wie auch die des Spaßmachers,dem früheren Pritschenmeister.
Man kann die Salzkammergutschützen und ihren Chronisten zu dieserlängst fålligen, im übrigen gut lesbaren und charakteristisch bebilderten Dar-stellung nur beglückwünschen. Über seinen lokalhistorischen Wert hinaus stelltdas Buch einen willkommenen Beitrag zum Thema„ Vereine als Gegenstand dervolkskundlichen Forschung" dar, wenn auch erst das starre Vereinsgesetz von1867 aus den mehr oder weniger locker gefügten Gesellschaften Vereine imRechtssinne machte. Eine Ergänzung sei am Schluß erlaubt. Die St. GilgenerSchützengesellschaft kann man tatsächlich auf das Jahr 1626 zurückführen. Denndamals gründete Erzbischof Paris Lodron im Erzbistum Salzburg Feuerschützen-kompanien, aus denen er seine Leibwache rekrutierte. Diese Kompanien warenzur Abhaltung wöchentlicher Schießübungen verpflichtet. Die Landbevölkerungnahm daran allerdings zunächst mehr gegen ihren Willen teil. Gleichwohl abergibt es seit dieser Zeit auch am Abersee eine kontinuierliche Schießtradition ³).Korntal/ StroblHerbert Sch empf
Jahrbuch für ostdeutsche Volkskunde. Im Auftrag der Kommission für ost-deutsche Volkskunde in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde e. V.Herausgegeben von Erhard Riemann. Bd. 20, 1977. 372 Seiten, mitmehreren Abb. auf Tafeln und im Text. Marburg an der Lahn, 1977, N. G.Elwert Verlag.
Dieser 20. Band des bekannten Jahrbuches, gleichzeitig der 11., den ErhardRiemann herausgibt, ist wieder sehr reichhaltig geworden. Man sollte vielleichtgleich zu Beginn auf jenen Beitrag hinweisen, der bescheidenerweise am Endedes Bandes abgedruckt ist, nämlich die Würdigung Erhard Riemannsanläßlich seines 70. Geburtstages( 3. April 1977) durch Ulrich Tolksdorf.Die inhaltsreiche Laudatio wird durch eine gediegene Bibliographie geschlossen.
Sonst finden sich wieder wertvolle Aufzeichnungen: So vor allem vonRichard Wolfram„ Die Hochzeitsbräuche in der Gottschee", an die 60 Sei-ten stark. Wolfram bezeichnet ihn als„ vorläufig letzten Bericht von meinenAufzeichnungen dort", und man könnte sich vorstellen, daß alle diese seineAufzeichnungen nun doch in einem eigenen Buch gesammelt vorgelegt werdensollten. Ein Gegenstück, nämlich„ Die rußland- deutschen Mennoniten in Sas-katchewan( Kanada) und ihre Hochzeitsbräuche" bietet Rolf W. Brednich.Seine Methode, nämlich„ teilnehmende Beobachtung bei hohem Partizipations-
2) Arbeitsanfang und-abschluß als Kernelemente des Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtums( in:Arbeit und Volksleben, 1967, S. 354 ff.= Veröffentlichungen des Instituts fürmitteleuropäische Volksforschung an der Philipps Universität Marburg/ LahnBd. 4).
3) Hierzu jetzt Leopold Ziller, Vom Fischerdorf zum Fremdenver-kehrsort. Geschichte von St. Gilgen am Aber-( Wolfgang-) See, 2. Teil, 1973, S. 123.
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