Jahrgang 
81 (1978) / N.S. 32
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Literatur der Volkskunde

Franz J. Grieshofer: Das Schützenwesen im Salzkammergut.Linz 1977, Oberösterreichischer Landesverlag. 208 Seiten, 6 Farbtafeln und57 Schwarzweißabbildungen.

Schützengesellschaften verdanken ihre Entstehung oftmals ganz verschie-denen Ursachen. Die nach dem Anschluß Bayerns an das Deutsche Reich auf-gelösten, inzwischen vielfach wiederbegründeten Bayerischen Gebirgsschützen-kompanien ¹) waren ebenso wie die Tiroler Schützen fest in die Landesverteidi-gung integriert, auch wenn ursprünglich der Zusammenschluß freiwillig zumrein sportlichen Wettkampf erfolgte. Manchmal sind die Schützengesellschaftenaus den sonn- und feiertäglichen Schießveranstaltungen hervorgegangen, welchedie Herrschaft abhalten ließ, um die Untertanen zur Hochjagd auszubilden.Wieder anders liegen die Verhältnisse bei den Berchtesgadener Weihnachts-schützen, bei deren Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum, wie Rudolf Kriss gezeigt hat, sowohl der boden-ständige Volksglaube wie die christliche Hochreligion mitbestimmend sind.

Es ist das Verdienst des aus einer Wiener volkskundlichen Dissertationerwachsenen Buches von Grieshofer, den Ursprüngen des Schützenwesens imSalzkammergut, seiner Entwicklung und seines bis heute weitgehend unveränder-ten Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtums nachgegangen zu sein, das sich wiederum recht deutlich vonden Verhältnissen anderswo abhebt. Die Anfänge der Schützengesellschaften imSalzkammergut liegen in dem Bedürfnis der auch sonst begünstigten Salz-beamten, Salinen- und Bergarbeitern nach Khurzweill, Nachtberschafft undFreindschafft", wie es in einer der frühesten Urkunden heißt, wozu sie einekaiserliche Subvention, den sogenannten Vortl erhalten, der ihnen zum Unterhaltder Schießstätte und insbesondere den Feuerschützen zum Ankauf von Blei undPulver dient. Sie nahmen so bis zu den grundlegenden Veränderungen des18. Jahrhunderts eine Sonderstellung gegenüber der heimischen Bevölkerung ein,wenn man so will, ein weiteres Element der Bergfreiheit, wie sie zumal in denBergmannsliedern ihren Ausdruck gefunden hat. Erst dann öffnen sie sich auchfür die Teile der Bevölkerung, die ihrer sportlichen Leidenschaft bislang in denverbotenen Winkelschießstätten frönte. Hinzu kommt, daß mindestens seit dem19. Jahrhundert vorher sind die Quellenbelege offenbar zu dürftig dieWaffe der Salzkammergutschützen oftmals die Armbrust ist, die ansonsten heutenur noch vereinzelt im Salzburgischen( auch Salzburg besitzt eine Armbrust-schützengilde, die der Volkskundeatlas noch nicht verzeichnet) und in Nieder-österreich benützt wird.

Grieshofer, ein ausgezeichneter Kenner der Landschaft und der Materie,behandelt in einem ersten Teil die Geschichte der Schützengesellschaften von denvermutlichen Anfängen im 16. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart,nicht ohne auf die gesamteuropäischen Zusammenhänge einzugehen. Dabeiwerden dankenswerterweise viele der urkundlichen Belege wörtlich wieder-gegeben, ein Vorzug, weil bedingt durch die politische Gliederung des Salz-kammergutes das Archivmaterial sehr verstreut liegt. In einem ebenso umfang-

1) Paul Ernst Rattelmüller, Die Bayerischen Gebirgsschützen. Mün-chen 1977.

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