lich. Manchmal vermißt man direkt die eigentliche Schlüsselangabe, so bei-spielsweise beim Schwerttanz in Traunstein die Aufzeichnung von RichardWolfram aus Unterwössen.( Bayerischer Heimatschutz, München 1931, S. 16 ff.,mit Abb.)
Aber solche Ergänzungen lassen sich bei einer Neuauflage leichter durch-führen als eine Neuüberprüfung dessen, was hier nun zurecht aufgenommenwurde, und was nicht, und was vermutlich wirklich noch hineingehören würde,und in welcher Form es richtig einzugliedern wäre. Das Buch ist, das soll betontwerden, für einen ersten Versuch dieser Art, durchaus verdienstlich. Ob es einen,, Baedecker" oder einen„ Dehio" für das Brauchtumsgebiet Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumsgebiet darstellt, wie derHerausgeber meint( S. 8), wird man vielleicht bezweifeln dürfen. Wenn manweiß, wieviel Arbeit etwa in einem Band ,, Dehio" steckt, mag man eher skeptischsein. Aber immerhin, der Versuch, der Ansatz wurde gewagt, und das soll be-dacht und bedankt sein.Leopold Schmidt-
Karl Haiding, Märchen und Schwänke aus dem Burgenland.Graz 1977, Leykam- Verlag. 241 Seiten, Farbtafeln und Textbilder von Hed-wig Zum Tobel. S 135,-.
Der bedeutende Volkserzählforscher Karl Haiding hat sich schon vor einemhalben Jahrhundert mit dem Burgenland beschäftigt. Einige Male konnte er dannMärchenaufzeichnungen durchführen, wobei er mit seiner großen Erfahrung undEinfühlungskraft die richtigen Menschen in den Dörfern fand. Es ist auf dieseWeise ein Bestand von hunderten von Aufzeichnungen entstanden, aus demHaiding nun eine Auswahl vorlegt, in die er aber auch wichtige Stücke aufge-nommen hat, die schon von Bünker, von Bothar, von Vernaleken einstmals auf-gezeichnet und veröffentlicht worden waren. Bei dieser Auswahl von 35 Num-mern, von denen einige noch auf Schwänke entfallen, hat Haiding anscheinendversucht, wesentliche Märchen von altertümlichem Charakter und guter Erzähl-form zusammenzustellen, die einen Querschnitt durch das Märchenerzählgut desBurgenlandes darstellen dürften, wie es ungefähr um 1900 lebendig gewesen seinmag. Bei Haidings Gewährsleuten hat es sich ja ebenso wie bei jenen Bünkersimmer um alte Leute gehandelt, die mit ihrem ganzen Lebensstil noch tief in jeneZeit zurückreichten, als sie ganz unbekannte, unbeachtete deutsche Leute imdamaligen Westungarn waren.
Dieser Rückgriff auf altertümliche Märchen bedingt, daß sehr viele dieserAufzeichnungen zu den entsprechenden Grimm'schen Märchen stimmen. So ist 1,Der Tatzbär- Hansel eben KHM 3 und 4; 2, Der Schmied von RawelsbachKHM 81 und 82; 3, Die drei Entenfrauen KHM 92 usw. Haiding hat das allesselbst in jahrzehntelanger Arbeit erhoben und ziemlich knapp in seinen Anmer-kungen nachgewiesen. Obwohl hier also eine stattliche Textsammlung für dasBurgenland vorliegt, hat Haiding aber doch sichtlich den Hauptwert auf seineErzähler und seine Aufzeichnungstätigkeit gelegt. Ein eigenes Kapitel„ Aus derLebenswelt der Erzähler und ihrer Geschichten" berichtet darüber. Hier läßtsich auch herauslesen, wie Haiding immer bemüht bleibt, aus der gleichzeitigenMärchenforschung Anregungen, Vergleiche und Hinweise zu gewinnen, auchwenn sich da nicht alles zu gleichmäßigen Bildern fügen will. Das Heraus-stellen der Männer als Erzähler geht auf manche Dinge ein, die auch aus ande-ren Landschaften berichtet werden. Aber daß es für die besondere Lebenszeitaller dieser Erzähler gewisse gemeinsame Anregungen gegeben hat, das kommtdoch noch zu wenig heraus. Wenn Haiding nach Gaál etwa( S. 207) darauf hin-weist, daß in den„, Mannschaftsstuben des ungarischen Militärs" viel erzähltwurde, und die Erzähler sich durch bestimmte Zurufe davon überzeugten, daßdie Zuhörer noch wach waren, so gilt das ja durchaus nicht nur für das unga-rische Militär, sondern war vermutlich bei allen stehenden Heeren vor dem
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