Literatur der Volkskunde
Günther Kapfhammer, Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum in den Alpenländern. Einlexikalischer Führer durch den Jahreslauf. 335 Seiten, mit zahlreichenAbb. im Text und auf Tafeln. München 1977, Callwey Verlag. DM 58,-
Es hat dreier Auflagen von Beitls„ Wörterbuch der deutschen Volks-kunde" bedurft, bis es bei Vertretern einer jüngeren Generation aufdämmerte,daß es sich innerhalb dieses Themenkreises und mit den gegenwärtig verfügbarenMitteln eigentlich machen lassen müßte, ein Bildwörterbuch zu schaffen. Frei-lich nicht wie beim„ Duden" gleich ein ganzes Bildwörterbuch zur Volkskunde,sondern zunächst eben eines zu einem Teilgebiet, wofür sich in Bayern das,, Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum" durchaus anbot. Der auch nicht gerade fernliegende Gedanke, ausden bereits vorliegenden und bekanntlich sehr wenig genützten Atlanten zurVolkskunde einmal einen Handatlas zu machen, ist anscheinend noch keinemder mehr oder weniger Beteiligten gekommen. Vielleicht aber greift jetzt jemandden Gedanken auf, als Herausgeber zumindest, wie auch Kapfhammer den Ge-danken eines„ Lexikalischen Führers" doch als Herausgeber ventiliert hat. DasBuch beruht ja auf der Zusammenarbeit einer ganzen Reihe von Beiträgen,deren größtenteils schon bekannte Namen nur in einem knappen„ Autoren-verzeichnis", S. 6, genannt werden, wogegen die Artikel mit Chiffern gekenn-zeichnet sind. Kapfhammer hat den zweifellos brauchbaren Gedanken gehabt,das ,, lebendige" Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum lexikalisch darstellen zu lassen, und zwar richtigdurchüberlegt, als Ablehnung der allzulang eingerosteten„ Deutungen" in Rich-tung der„ Fruchtbarkeitskulte", der„ Dämonenabwehr", womit sich die Volks-kunde im Geist des 19. Jahrhunderts durch die Religionswissenschaft im Sinnder klassischen Philologie so lange Zeit belastet hat( S. 8). Da muß auch in Kaufgenommen werden, daß Erscheinungen als„ Brauch" aufgenommen sind, dieeindeutig erst vor kurzem eingeführt wurden, und nicht selten eher dem folklori-stisch angeregten Fremdenverkehr als dem Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum im engeren Sinn ange-hören.
In diesem Sinn haben sich also die zahlreichen Mitarbeiter nun bemüht,, lebendiges" Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum dingfest zu machen und es womöglich durch Photosdokumentarisch zu erweisen.
Aus Österreich sind die Fachvertreter Bertl Petre i, Dietmar Ass-mann, Franz Grieshofer, Hannelore Fielhauer- Fiegl, HubertMoser, Sepp Walter, und aus Südtirol Bernd Dieter Insam, HansFink und Robert Winkler zu nennen. Der beträchtliche Anteil von Lean-der Petzoldt für das schwäbische Alpenvorland ist spürbar. In manchenFällen konnten die Bearbeiter sich vorgeordneten Materials bedienen, so Kapf-hammer selbst des Befragungsmaterials, das an dem von Torsten Gebhardgeleiteten Institut für Volkskunde in München liegt, und Hannelore Fielhauer-Fiegl der Materialien des Österreichischen Rundfunks, die Günther Richtervom Studio Niederösterreich zusammengetragen hat. Letzterer Umstand bedingtübrigens, daß Niederösterreich in dem Band gut vertreten ist, obwohl er docheigentlich auf die Alpenländer beschränkt sein sollte. Aber eine gewisse Un-gleichmäßigkeit läßt sich bei einem solchen ersten Versuch sicherlich nicht ver-
60