Man sieht, ein reiches, vielseitiges Buch, dessen kleinere Literaturlücken undauch so manche Druckfehler( etwa S. 134) man entschuldigen wird, ob der vielenMaterialien und Bilder, von denen auch Kenner des Gebietes manches als neu undaufschlußreich einstufen werden.
Leopold Schmidt
Richard Wolfram, Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in derGottschee.(= Veröffentlichungen des Österreichischen Museums fürVolkskunde, Bd. XIX), Wien, Selbstverlag des Österreichischen Museums fürVolkskunde, 1980. Brosch., 247 Seiten, 3 Karten, 12 Notenbeispiele.
Maria Kundegraber, Volkskunde der Gottscheer. Die Sammlung desÖsterreichischen Museums für Volkskunde aus der ehemaligen deutschenSprachinsel Gottschee in Slowenien. Katalog des Österreichischen Museumsfür Volkskunde, Ethnographisches Museum Schloß Kittsee und Steiermär-kisches Landesmuseum Joanneum, Außenstelle Stainz. Wien und Stainz 1980.Brosch., 60 Seiten, 24 Abbildungen auf Tafeln, zwei Karten, zahlreiche Skizzen.Volle 650 Jahre sind es nunmehr her, daß die Grafen von Ortenburg zu Spittala. d. Drau in Kärnten das bis dorthin unbewohnte( inhabitabiles et incultae, sc.partes) und immer arm gebliebene Waldland im Südosten des Landes Krainzwischen den Flüssen Reifnitz( slowen. Ribnica) und Kulpa( Kupa) vom Patriarchenvon Aquileia zu Lehen erhielten und mit deutschsprechender bäuerlicher Bevöl-kerung aus Oberkärnten und dem heutigen Osttirol besiedelt hatten. Immerhin wur-den es 178 Dörfer oder dorfähnliche Ansiedlungen, verwaltet von der KleinstadtGottschee( heute Kočevje). Dieses mühsam urbar gemachte, zumal in der Türken-zeit leidgeprüfte, niemals wirklich wirtschaftlich ,, blühende" Land wurde politisch1623 zu einer Grafschaft, unter Kaiser Leopold II. anno 1791 sogar zu einem Her-zogtum erhoben. Die viele Jahrhunderte währende Symbiose zwischen diesenDeutschen und den um- und z. T. mitwohnenden Slowenen, in der Nachbarschaftkajkawisch sprechender Kroaten, wird durch den allseits in Europa im 19. Jahrhun-dert aufkommenden Nationalismus immer stärker beeinträchtigt, durch die Ereig-nisse des II. Weltkrieges( Aussiedlung von 12.000 Gottscheern durch den deutsch-italienischen Vertrag von 1941 ins historisch- untersteirische Sawe- Gebiet; Unter-gang dieser Zwischenheimat mit dem Zusammenbruch der gesamten deutschenVolksgruppe Jugoslawiens nach Kriegsende 1945) zerstört. Eine nachmals immerstärker sich um Herkunft und Geschichte, um Wesensbestimmung des Eigenen wieum die Aufgaben der Eingliederung in neue, sprachgleiche, aber meist stammes-verschiedene Umwelt sich bemühende Haltung auch dieser Volksgruppe kennzeich-net ihren weit vom Bäuerlichen ihrer Anfänge wegführenden Schicksalsgang, be-müht, aus eigenen wie aus fremden Kräften der Forschung wie der Bewahrung über-kommener Güter des Geistigen wie des in Realien Darstellbaren ein notwendiger-weise selektiv bleibendes Bild des als Kultureigenart Gewordenen über die Tragikdes Untergegangenen hinaus noch zu dokumentieren, in Teilen auch zu tradieren.
204