Jahrgang 
83 (1980) / N.S. 34
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umwundenen Steines mit dem des birnenförmigen Kreisels( der in ähnlicherGestalt und Umwicklung übrigens auch in Britisch- Kolumbien üblich war).

Eine ebenso große Verbreitung besitzt das Spiel mit der in abwechselnderRichtung sich drehenden Doppelscheibe( griechische Form), nach demMalaiischen als ,, Jo- Jo bezeichnet. Zu den wenigen antiken Bildzeugnissen kannR. Schm. ziemlich viel Literatur anführen. In meinem Bruegel- Aufsatze habe ich aufS. 60 zwei Arten von Spindelrollen erwähnt. Außer der als Modespiel nocherinnerlichen Form des ab- und aufrollenden Spielzeuges gibt es eine, bei der dieHülle der auf eine Schnur gewickelten Spindel in einer Hand gehalten wird,während die andere die Drehung der Achse samt einer Schwungmasse bewirkt. InWien und Niederösterreich gab es ähnliche Spielzeuge noch vor kurzem; ob siegelegentlich noch hergestellt werden, läßt sich wegen mangelnder Feldforschungim Augenblick nicht sagen. Als Hülse dienten Walnuẞ, Haselnuẞ, Pfirsich- oderMarillenkern. In jüngster Zeit hat sich Fr. Maresch noch von alten Gewährs-leuten in der Loich die Herstellung eines derartigen, Spinnradls" erklären lassen.Der aus einer Walnuß gefertigte bayerische, Surrer" wie die aus einer Haselnuẞgebastelte rheinische Schnurre" zeigen, daß auch das beim Drehen hervorge-rufene Geräusch namengebend sein kann. Als Beispiel der weiten Verbreitungderartiger Spielzeuge aus den örtlich vorhandenen Grundstoffen sei eine schönverzierte Ausführung bei den Alaska- Eskimos Glossar ::: zum Glossareintrag  Eskimos erwähnt, die das Horn des Narwalszur sich drehenden Spindel verarbeiten( St. Culin, Games of the NorthAmerican Indians Glossar ::: zum Glossareintrag  Indians, Washington 1907, Fig. 1015, a, b). Auch zu anderen Beispielenenthält die in ihrer Sorgfalt und Genauigkeit vorbildliche Dissertation einegesicherte Grundlage für Vergleiche, doch das würde zu weit führen.

Karl Haiding

Georg

Volksmusikinstrumente, Neuerwerbung der SammlungKotek, Katalog herausgegeben von Klaus Beit und Franz J. Gries-hofer sowie weiteren Autoren, Wien 1979, Österreichisches Museum fürVolkskunde, 56 Seiten, Abb.

Der 1977 in Wien verstorbene Georg Kotek nimmt nicht nur in derösterreichischen Volksmusikpflege einen geschichtlich hervorragenden Platz ein,auch als vielseitig interessierter Sammler hat er zur Erhaltung von Dokumentenaus der Volksnatur Bleibendes geleistet. Davon zeugt dieser Ausstellungskatalog,der neben Würdigungen seiner Aktivitäten sowie einem Verzeichnis seiner Ver-öffentlichungen einen Katalog derjenigen Volksmusikinstrumente enthält, dieglücklicherweise das Österreichische Museum für Volkskunde aus dem Nachlaẞerwerben konnte. Es handelt sich um 30 Musiziergeräte, die mehrheitlich zuAnfang dieses Jahrhunderts erworben wurden, sowie um einige Bildzeugnissedazu. In vorbildlicher Weise haben bei der Erfassung und Bearbeitung mehrerebekannte Autoren zusammengewirkt und einen musterhaften Katalog mit 20 Ab-bildungen der wichtigsten Objekte erstellt. Besonders zu begrüßen ist, daß sie sichdabei auf das im Handbuch der europäischen Volksmusikinstrumente" ausge-arbeitete Beschreibungssystem gestützt haben, das damit einmal mehr die Chanceerhält, international verbindlich zu werden.

Walter Salmen

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