Grünn, die bereits 1954 einen ersten Artikel über„, Volkskundliches vom Wäscher-gewerbe in Linz“ verfaßte, hat dieses Thema konsequent weiterverfolgt und nun zueiner umfassenden Monographie ausgeweitet, in der Abschnitte über die Tracht,das Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum( mit einer Abhandlung über den Wäschermädelball), den Glaubenund Sagen nicht fehlen dürfen. Besonderer Raum wird der Lohnwäsche und demWaschgewerbe von Linz und Wien eingeräumt. Es wird damit ein lange über-sehenes Kapitel der Volkskunde, das dem Bereich der Alltagskultur zuzurechnenist, nachhaltig in den Vordergrund gerückt.
Dabei stößt man auf das Phänomen, daß die harte und beschwerliche Tätigkeitdes Wäschewaschens kaum der Realität entsprechende Darstellungen findet,sondern stets von einem Hauch Romantik umgeben wird oder zur Groteske neigt.Dergestalt typisiert finden sich die Betroffenen als Sujet in zahllosen Genrebildern,in Liedern und Gedichten und selbst auf der Bühne wieder, wovon die Autorineine reiche Auswahl bietet. Diese Gegenüberstellung der Realität mit der Wirkungauf die Zeitgenossen macht den besonderen Reiz des Buches aus. Einmal fürdieses Thema sensibilisiert, beginnt man selbst die Fülle künstlerischer Darstel-lungen zu registrieren, wozu auch das amüsante Büchlein von Ingeborg Hecht,Rund um den Waschtrog. Ernstes, Nachdenkliches, Kurioses( 1978, Herder-bücherei 687) Beiträge liefert. In dem Roman des Schweizers Kurt Guggen-heim kann man, ausgehend von Emile Zolas Wäscherinnenroman mit demVolkskundeprofessor Hiersinger über das Thema ,, Die Wäsche der Schweizerin"reflektieren, das er einem Studenten stellt. Es wäre auch noch das ausführlicheKapitel über die Wäsche in Paul Scheuermeiers ,, Bauernwerk" zu erwähnen, daseine Karte über die Lauggefäße enthält. Es sei hier angeführt, weil die Belegeallenthalben über den Donauraum hinausreichen.
Man kann nur empfehlen, sich von dem interessanten und hübsch ausge-statteten Buch, übrigens dem 10. in der Reihe Niederösterreichische Volkskunde,das im Nachwort eine Würdigung der Autorin von Leopold Schmidt enthält,belehren und anregen zu lassen.
Franz Grieshofer
Maria Kundegraber( Hg.), Stainzer Volksleben. Ausgewählte Kapitelüber Volksbrauch, Volksglaube und Volkstracht im Gerichtsbezirk Stainz(= Katalog Nr. 5 der Außenstelle Stainz des Steiermärkischen Landes-museums Joanneum, Steirisches Volkskundemuseum). 52 Seiten mit zahl-reichen Abb. Schloß Stainz, Steiermark.
,, Stainzer Volksleben“ hieß die 3. Ausstellung des Museums im dortigenSchloß, die anläßlich des 800jährigen Bestehens von Stainz von Juli bis Oktober1979 durchgeführt wurde. Das vorliegende schmale, aber inhaltsreiche Heft bildetgewissermaßen den Kommentar dazu.
Im Gegensatz zu leider sehr vielen Heimatkunden, bei denen„, Volkskunde"immer noch quasi im Anhang und sehr oft von fachlich gänzlich uninformiertenDilettanten dargestellt wird, haben die„ Auserwählten Kapitel“ die beamtetenVolkskundler der Steiermark, die am Steirischen Volkskundemuseum und amInstitut für Volkskunde der Universität Graz tätig sind, erarbeitet. Es sind dement-
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