Diesen Bildbänden schließt sich also nun einer über die Votivbilder in derSchweiz an, zu dem Creux gegen zweitausend Aufnahmen in schweizerischenKirchen und Kapellen gemacht hat. Die hier getroffene Auswahl ist im wesentlichenzeitlich angeordnet, vom 17. bis zum 20. Jahrhundert, von der Heilung krankerKinder bis zu einem Flugzeugunfall.
Der reichen Bildersammlung ist eine knappe Einleitung über die„ Bilderweltdes Volkes" von einem Wallfahrts- Theoretiker, nämlich Iso Baumer, voran-gestellt, und von einem Wallfahrts- Praktiker, nämlich Klaus Anderegg, stammtam Schluß des Bandes eine knappe, stark auf die Schweiz bezogene Geschichte derErforschung des Votivbildes. Das wichtige Sondergebiet ,, Votivbilder und Medizin"behandelt Franco Clara auf 2 Seiten, dann folgt eine nicht sehr vollständigeBibliographie, und der Abbildungsnachweis. Und wenn man glaubt, daß nunmehrder Text des Buches erst beginnen müßte, hat man sich getäuscht: Es gibt nichteinmal ein ausführliches Verzeichnis der schönen Bilder( die jeweilige Herkunftsteht immerhin bei den Abbildungen dabei), geschweige denn einen Kommentar,auch kein Register etwa der Orte, der angerufenen Heiligen, schon gar kein Sach-register, vielleicht, weil Anderegg auf S. 213 die ,, analytisch- sachkundliche Betrach-tungsweise" etwas in Frage stellt, und die Votivbilder nicht als„ Bildquellen erstenRanges" angeschaut wissen will, obwohl sie das natürlich auch sind. Freilich wäreeine solche Kommentierung gar nicht leicht, aber sicherlich lohnend. Eigentlichmutet der Band also einigermaßen wie eine versäumte Gelegenheit der Anwendungdes volkskundlich Gelernten an, und das ist eben nicht gut.
Leopold Schmidt
Ernst Schneider, Durlacher Volksleben 1500-1800. Volkskundlichesaus archivalischen Quellen. Zugleich ein Beitrag zur Geschichte der ehemaligenStadt Durlach. 239 Seiten.(= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs,Bd. 5) Karlsruhe 1980, Verlag G. Braun. DM 22,-.
Ernst Schneider, der auch in unserer Zeitschrift mehrfach zu Wort gekommenist, legt hier einen Band vor, den man als kulturhistorische Volkskunde der altenbadischen Markgrafenstadt Durlach bezeichnen kann. Es ist eine sorgfältiggegliederte Lese aus den Ratsprotokollen und Stadtrechnungen von Durlach undbringt alles, was man für die frühe Neuzeit dort erwarten kann.
Der Inhalt führt also vom ,, Gesicht der Stadt", den alten Stadtansichten, überdas ,, Gemeinwesen" einschließlich des Schützenwesens zum„ Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum", zu,, Recht und Obrigkeit“,„, Kirchlichem Leben" und ,, Sachkultur". Ein umfangreichesKapitel wie„ Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum“ ist selbstverständlich noch genauer aufgegliedert:Termingebundener Brauch, Jahreslauf; Anlaßgebundenes Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum wie Geburts-tag und Taufe, Hochzeit, Totenbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Totenbrauchtum, Lebensgewohnheiten, Arbeitsbrauch-tum Glossar ::: zum Glossareintrag tum einschließlich der„ fechtenden“ Handwerksgesellen. Von der„, Sachkultur"wird man gern noch einmal zum ,, Gemeinwesen" zurückblättern, da dort einUnterkapitel„ Ordnung und Arbeit in Wiese, Wald und Feld" vieles Hierher-gehörendes bringt, aber auch die ,, Dreschergans", oder den Grenzumgang, dasHutrecht und das Hirtenwesen im ganzen. Man kann sich unbesorgt an mehrerenStellen orientieren, denn Schneider hat Anmerkungen und ein Schrifttumsver-
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