Jahrgang 
84 (1981) / N.S. 35
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Auf diesen Band war hier schon kurz hinzuweisen. Die Beiträge bekannterFachleute wie Wiegelmann, Ina- Maria Greverus, Tamás Hofer, Ruth- E.Mohrmann, Herbert Schwedt und mehrerer anderer gestalten den Bandanregend. Manche Ausführungen scheinen mir freilich an der Grenze der Wissen-schaftlichkeit zu liegen und schon einem gehobenen Feuilletonismus anzugehören.Andere wieder weisen stärker in die praktische Sozialarbeit hinüber. Es ist eben auchhier vieles ,, im Wandel", auch das Selbstverständnis des Faches, dessen eigentlicheArbeit und Bedeutung nicht allen Referenten klar sein dürfte.

Autobiographische Aufzeichnungen des münsterländischen Bauern Philipp Richter.Hg. Helmut Müller(= Beiträge Heft 17) 1979. 76 Seiten, 4 Abb., 1 Porträt,1 Faksimile.

Die Selbstbiographie eines westfälischen Bauern aus der Landschaft der Annettevon Droste- Hülshoff, bezogen auf die Jahrzehnte zwischen 1815 und 1890 stellt einewertvolle Quelle dar. Das war eben sein Leben: Geburt, Elternhaus, das Erbe, dieWege und Wallhecken, das Totenbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Totenbrauchtum, wie es an den Straßen, in der Kapelle,im Beinhaus erlebt wurde, die Hochzeitsbräuche, dann die ländliche Arbeit desAckerbauern, bis hin zur Flachsarbeit, die Mühlen, Firmung mit Patenschaft, und dasVerhältnis zur Kirche. Schilderungen von Krankheiten und von Träumen wie vondem für die Landschaft so bezeichnenden Zweiten Gesicht" fehlen nicht. Diesprachlich- sachlichen Anmerkungen ermöglichen ein leichtes Lesen der wirklichaufschlußreichen Selbstbiographie.

Burkhard Schwering, Nachbarschaften und Vereine in Ahaus. Stu-dien zu Kultur und Bedeutung organisierter Gruppen(= Beiträge Heft 18).671 Seiten. 1979.

Die umfangreiche, bei Hinrich Siuts gearbeitete Dissertation weist schon ihremGegenstand nach auf die erste große Zeit der Volkskunde in Münster, nämlich aufdie Wirksamkeit von Julius Schwietering und seinen Schülern vor einem halbenJahrhundert hin. Wieder sind es die Gruppen, die Nachbarschaften, die Vereine, diedort im Nordwesten so besonders stark auffallen, auch die Schützenvereineselbstverständlich. Das Sachgebiet ist also besser betreut als manches andere, undSchwerings Dissertation gliedert sich in eine lange Reihe verwandter Aufarbeitun-gen ein. Die genauen Analysen von Gruppen wie Nachbarschaft Coesfelder StraßeI" oder ,, Nachbarschaft Jägerskamp" ergeben anschaulichen Stoff zum Verständnisdieser weitgehend männlich bestimmten Gruppen. Die Feste der Schützen werdenmit besonderer Genauigkeit dargestellt. Das offenbar stark von Militärerinnerungenbestimmte nordwestdeutsche Kleinstädtertum tritt überdeutlich zutage.

Bäuerliches Brotbacken. Aus den Beständen des Archivs für WestfälischeVolkskunde Hg. Martha Bringmeier(= Beiträge Heft 22) 1980. 136 Sei-ten, mit Zeichnungen im Text.

Im Gegensatz zu den bisher namhaft gemachten Bänden handelt es sich hierwieder einmal um eine Veröffentlichung des berühmten Archives" in Münster. Aus

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