die beiden Übersichtskarten zur europäischen Verbreitung des Prellens, die allerdingsauf Grund der Verschiedenartigkeit der Brauchkontexte, in denen das Prellen alsBrauchelemente auftritt4), sowie der relativ geringen Anzahl der Belege mehr illustrie-rend als tatsächlich aussagekräftig wirken. Die das ganze Büchlein durchziehendeAuseinandersetzung mit der mythologischen Herkunftstheorie des Jülicher Brauches auseinem vorchristlichen Flußopfer an die keltische Göttin Rura hätte vielleicht solchenAufhebens gar nicht bedurft³); es handelt sich um Deutungsversuche, die im wesentli-chen der Wissenschaftsgeschichte angehören. Der Abschnitt über Sinn und Herkunft derFastnacht aus der christlich- mittelalterlichen Heortologie spiegelt im wesentlichen dasrezente Forschungsverständnis der bezüglichen Fastnachtsforschung wider; Analogien( nicht Kontinuitäten) zum spätrömischen Festkalender werden nicht diskutiert. DenPrell- Brauch als gezielte Einsetzung katechetischer Mission des christlichen Spätmittelal-ters bzw. der Gegenreformation anzusetzen, entspricht einem generelleren historisch-theoretischen Ansatz, den der Verf. auch in anderen Arbeiten entwickelt hat undvertritt); vielleicht wird man aber auch noch andere Herkunftsmöglichkeiten ins Augefassen müssen, vor allem, wenn man an die sehr weitgespannte Verfügbarkeit desPrell- Elements, das aus dem ehemaligen Rechtsbrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Rechtsbrauchtums stammt, denkt. Das Konzeptvon der ,, satisfactio vicaria", das der Verf. mit einigem Geschick auf das Zu- Tode- Prel-len der Lazarus- Strohmann- Figur als„, typologische Übertragung")( in Parallele zumalttestamentarischen Sündenbock- Motiv) des Christus- Todes anwendet, ist zwar richtigin dem Sinne, daß die Lazarusfigur als Präfiguration Christi tatsächlich in Ost- undWestkirche angesehen wird³)( das gegen Fuchs⁹), doch gilt dies mehr für die suscitatiound die resurrectio als für den Tod( durch Krankheit) des Amicus Christi 10). Das schlägt
4) Die Vielgestaltigkeit der Erscheinungen läßt daran zweifeln, ob sich ausunserem so sporadisch stellig gemachten Material eine Verbreitung nachweisen ließe,etwa in der Art einer Verbreitungskarte"( Schmidt, op. cit. 27).
5) S. 23 f., 38 ff., 43, 78 ff., 81 ff., 84.
6) D.-R. Moser, Volkslied- Katechese. Das Exemplum Humilitatis Mariae in derMissionspraxis der Kirche. Convivium Musicorum( FS W. Boetticher. Berlin 1974,168-203); Ders., Die Tannhäuser- Legende. Eine Studie über Intentionalität undRezeption katechetischer Volkserzählungen zum Buß- Sakrament. Berlin 1977: Ders.,Verkündigung durch Volksgesang. Studien zur Liedpropaganda und-katechese derGegenreformation. Habil.- Schrift, Freiburg 1978.
7) W. Stemmler, Liturgische Feiern und geistliche Spiele. Studien zu denErscheinungsformen des Dramatischen im Mittelalter. Tübingen 1970, 123 ff., 167 ff.,
248 ff.
8) M. C. Pilkinton, The raising of Lazarus. A prefiguring agent to theharrowing of hell.( Medium Aevum 44( 1975) 51 ff). S. der Nesessian, The homily on theRaising of Lazarus and the Harrowing of Hell.( Biblical and Patristic Studies in Memoryof R. P. Casey Feiburg/ Br. 1963 219–234.)
9) Op. cit. S. 41.
10) W. Puchner, Südosteuropäische Versionen des Liedes von„, Lazarus redivi-vus“.( Jahrbuch für Volksliedforschung 24( 1979) 81-126.)
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