Darbietung der Sage von den zwei feindlichen Brüdern bei Baumgarten ist richtig, dochwäre der allgemeinere Zusammenhang aus der Abhandlung von Emil Schneeweis, DasMotiv der ,, Feindlichen Brüder" an verschiedenen Flurdenkmalen in Niederösterreich( in: Wunder über Wunder- Gesammelte Studien zur Volkserzählung,= RaabserMärchenreihe, Bd. 1, Wien 1974, S. 81 ff.), mit Nutzen heranzuziehen gewesen. Und zudem hier S. 228 von Häusler vielleicht zum ersten Mal in Niederösterreich aufgezeichne-ten Brauch vom„, Wasserrühren“ in der Quelle beim ehemaligen Franziskanerkloster,, Im Paradies" hätte die weitere Verbreitung angeführt werden können. Freilich ist eskaum zu verlangen, daß der Historiker auch noch meine kleine Studie über AntikeMotive in Sage und Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum des Burgenlandes( Burgenländische Heimatblätter,Bd. 32, Eisenstadt 1970, S. 125 ff.) hätte kennen sollen.
Das sind nur Beispiele, daß die Volkskunde im Zustand ihrer heutigen Erforschungauch von so hochstehenden Vertretern einer historischen Heimat- und Landeskundeberücksichtigt werden sollte. Im ganzen aber bleibt man doch für das ungemeininhaltsreiche Buch sehr dankbar.
Leopold Schmidt
Fritz Markmiller, Der Tag, der ist so freudenreich. Advent und Weihnachten( Bairische Volksfrömmigkeit, Brauch und Musik, Bd. 1). Querformat 330 Sei-ten, mit zahlreichen Abb. im Text und auf den Tafeln. Regensburg 1980, VerlagFriedrich Pustet.
Vor uns liegt ein stattlicher Band, der vielen Freunden der musischen Volkskunstsicherlich Freude bereiten wird. Der Herausgeber, sonst als Heimatpfleger von Dingol-fing bekannt, als Schriftleiter des„ Storchenturm" als der dortigen Heimatzeitschrift,plant ein sechsbändiges Werk, das der Volksfrömmigkeit in Lied und Musik gewidmetsein soll. Der stattliche erste Band, der nun erschienen ist, zeigt, wie das Werk gemeintist, zeigt auch, daß Markmiller ein vorzüglicher Kenner seines Stoffes und Organisatorder Materialien ist, wobei die Wiedergabe vieler Texte und Singweisen, Titelblätter undAndachtsbilder in reizvollen Reproduktionen besonders auffällt.
Der Band versucht, den Komplex„ Volksfrömmigkeit“ mit den Mitteln derVolkskunde aufzugliedern und darzustellen. Markmiller beginnt mit dem Kapitel,, Liturgie und Brauch", wobei dem ,, Volksfrommen Lied im Gottesdienst“ entsprechen-der Raum gewährt wird. Es kommt ein eigenes Kapitel ,, Umzugs- und Heischebrauch",das die noch von Hans Moser herrührende Tradition der bayerischen Sternsingerfor-schung wieder aufnimmt. Dann umfangreich„ Geistliches Volksschauspiel“. Ich glaube,außerhalb des engsten Volksschauspielforscherkreises hat seit langem niemand unsereVeröffentlichungen so aufmerksam gelesen wie dieser Dingolfinger Baumeister undArchitekt. Aus August Hartmann hat er das ganze„ Röhrnbacher Weihnachtspiel"übernommen, genau nach hundert Jahren also, und viele Freunde des Faches, die denmächtigen Band von Hartmann und Abele nicht besitzen, werden auch dafür dankbarsein.
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