Kustaa Vilkuna †
Der große Vertreter unseres Faches an der Universität von Helsinki, Prof. em.Kustaa Vilkuna, ist am 6. April 1980 gestorben. Vilkuna war eine imponierendeGestalt, der jahrzehntelang seine Schüler und damit den Betrieb des Faches in Finnlandformte. Er war 1902 in Nivala in Österbotten geboren worden, Sohn eines Bauern undlebenslang dem Bauerntum und seiner Erforschung zugetan. Eine beachtlich große Zahlseiner Arbeiten ist in deutscher Sprache erschienen, so seine ,, Volkstümlichen Arbeitsfe-ste in Finnland" 1963 und sein wichtigstes Werk ,, Finnisches Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum im Jahreslauf"1969. Der bedeutende Gelehrte und große Organisator wissenschaftlicher Arbeit warnicht nur dieses, sondern auch ein patriotischer politischer Mensch. Während desZweiten Weltkrieges war er Informationsminister, später noch Unterrichtsminister, undgenoẞ so hohes Ansehen und großen Einfluß. Mitglied der Finnischen Akademie,Mitglied der Königlichen Gustav- Adolf- Akademie für Volksforschung in Uppsala war erauch korrespondierendes Mitglied unseres Vereines, nicht zuletzt in freundlicherErinnerung an sein Auftreten beim großen Anthropologen- Kongreß in Wien 1952. HoheEhre seinem Angedenken.
Leopold Schmidt
Lia Miklau †
Kurz vor Vollendung ihres 86. Lebensjahres ist am 22. Jänner 1981 in KlagenfurtFachlehrerin i. R. Lia Miklau gestorben. Die Volkskunde verliert mit ihr eine überauseifrige und erfolgreiche Sammlerin auf dem Gebiet der Nahrungsforschung. Lange vordem modernen Trend zu diesem Forschungszweig hat L. Miklau in Kärnten und späterauch in den Sprachinseln der Carnia( Italien) mit großer Genauigkeit und IntensitätSpeisenrezepte und-gewohnheiten aufgezeichnet. Noch von Oswin Moro wurde sie zuihrer wertvollen Sammlung über die ,, Bergbauernkost im Katschtal( Kärnten)"( Villach1938) angeregt. Später wandte sie sich stärker dem praktischen Leben zu und verwerteteihre Beobachtungen und Aufzeichnungen zunächst in zahlreichen kleinen Aufsätzen undBeratungsschriften, z. T. unter recht schwierigen äußeren Verhältnissen. Aus einemhektographierten Blatt von einem Druckbogen mit dem Titel ,, Dem Leben zugewandt!Festtagsjausen im kärntischen Land. Gesammelt von Lia Miklau“( Klagenfurt 1949)entstand ihr weitum bekannt gewordenes und geschätztes„, Kärntner Kochbüchl“, das1980 bereits in fünfter, erweiterter, erstmals illustrierter Auflage bei Joh. Heyn inKlagenfurt erschienen ist. Lia Miklau hat damit für ein breites Publikum zugänglich undpraktisch benutzbar gemacht, was sie selbst ein langes Leben mit fast hartnäckigerBeharrlichkeit und unermüdlichem Fleiß von Kärntner Bäuerinnen erfahren konnte undwas sie mit großer Sachkenntnis verfolgt und betrieben hat. Die Volkskunde wird nichtnur in Kärnten vermutlich auch weiterhin daraus Nutzen ziehen und die Früchte ihresFleißes mit Dankbarkeit zur Kenntnis nehmen.
Oskar Moser, Graz
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