Jahrgang 
84 (1981) / N.S. 35
Einzelbild herunterladen
 

mit dem bezeichnenden Titel, Heimat im Volksbarock" in der von ihm gegründetenBuchreihe des Landesmuseums für Kärnten einen Platz, und schrieb dazu noch einerfreutes und erfreuliches Nachwort, in dem zum ersten Mal das Wesen der ArbeitenKretzenbachers zu erfassen versucht wurde. In dieser Buchreihe des Landesmuseums fürKärnten ist auch eine wichtige Monographie Kretzenbachers, nämlich das Buch über die,, Seelenwaage" erschienen, 1958, und dann 1971, das schon noch weiter ausgreifendeWerk ,, Bilder und Legenden. Erwandertes und erlebtes Bilder- Denken und Bild- Erzäh-len zwischen Byzanz und dem Abendlande Glossar ::: zum Glossareintrag  Abendlande."

Schon diese Buchtitel besagen, daß Kretzenbacher in jenen Jahrzehnten zwischenden fünfziger und den siebziger Jahren weit über seine bisherige Kenntnisnahme, seinebisher erarbeiteten Deutungs- und Darstellungsmöglichkeiten hinausgewachsen war.Man möchte an den Vers Rilkes erinnern: ,, Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen"- man kann es an diesen Publikationen und ihren vielen kleineren Begleitern wahrhaftigablesen, wie diese Lebensringe gewachsen sind. Was Kretzenbacher von Jugend auferlebt, erwandert hatte, vom Balkan, von Oberitalien, von den Alpenländern bis an dieOstsee und darüber hinaus, das wurde ja gleichzeitig durch eine ungemein fleißigeNacharbeit in den Bibliotheken ergänzt. Kretzenbacher hat in seiner Gott sei Dank sehrleserlichen Schrift sich ungezählte Aufzeichnungen und Exzerpte gemacht, sie sehr klugzu ordnen verstanden, so daß ihm Beiträge innerhalb dieses sehr groß gewordenenStoffbereiches offensichtlich gar nicht schwer fielen. Man könnte da beispielsweise anseiner Bibliographie²) ablesen, was er allein an steirischen Themen in die größerenZusammenhänge zu rücken verstand: ,, Böllerschießen in der Osternacht einerseits, dieobersteirische Pilgerlegende ,, Jakob der Heimkehrer" anderseits; dann wieder ,, St. Dis-mas, der rechte Schächer", anhand der innerösterreichischen Verehrungsstätten, aberauch das ,, Nikolausschiffchen", wie es um Mariazell üblich war und ist, das alles schon1951. Dann im folgenden Jahr ,, St. Michael, der Seelenwäger einerseits, aber auch,, Santa Lucia und die Lutzelfrau anderseits, als Vorschuß gewissermaßen auf künftigegrößere Werke über diese Themen. Dann selbstverständlich 1953 das erste zusammen-fassende Buch über Weihnachtskrippen in Steiermark", aber auch die bedeutendeArbeit über ,, St. Kümmernis in Innerösterreich". Man merkt da das Heranführen vonThemen, die vielleicht längst zur Bearbeitung herangestanden wären, an den Forschungs-stand in unseren und den Nachbarländern, sehr zum Vorteil der steirischen Volkskunde.Man kann das Jahr für Jahr beobachten: Kamen 1954 in der Festschrift für GustavGugitz ,, Die Ketten um die Leonhardskirchen im Ostalpenraum eindringlich zurSprache, dann 1955 nicht weniger eindringlich Der Nagel am Kreuz", durch den dieoststeirische Sakrallandschaft so betont herausgehoben erscheint. Für Graz 1955 spezielldie ,, Heilige Aja, anhand des Bildes der Prozeßhelferin im Grazer Dom, für Admontetwa wieder speziell die Geschichte vom Admonter Schreiberteufel", als richtigeInterpretation der bedeutenden Plastik Stammels in der dortigen Bibliothek. DieVerbindungen zu den Erzählforschern nicht nur in Österreich, sondern auch in derBundesrepublik und in der Schweiz geben in jenen Jahren wichtige Anregungen zur

2) Vergleichende Volkskunde. Bibliographie Leopold Kretzenbacher ausAnlaß seines 65. Geburtstages, zusammengestellt und eingeleitet von Helge Gerndt undGeorg R. Schroubek(= Veröffentlichungen zur Volkskunde und Kulturgeschichte,Bd. 3), München- Würzburg 1977.

116