Jahrgang 
84 (1981) / N.S. 35
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alemannischen, in früheren Jahrhunderten noch romanischen Gebietes wiedergefunden.Während durch die geographische, politische, religiöse und sprachliche Abgrenzung vonkulturellem Austausch kaum gesprochen werden kann, fand eine Begegnung imArbeitsleben wohl statt. Heuerleute z. B. aus dem bis in unser Jahrhundert ärmerenMontafon gingen häufig über die Grenze, die sonst vor allem den Schmugglern vonKaffee und Tabak vertraut waren. Auch das volkstümliche Erzählgut läßt Beziehungenerkennen. Stärker tritt Bündner Eigenart hervor, in anspruchsvollerem ,, Handwerksgerätund primitiv Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiv- mechanischen Anlagen"( Alfons Maissen), wie sie Nagelschmiede,Tretschenmacher( Flechter von Lederseilen) oder Lavezdreher benötigten. Dem südli-chen Vorkommen des Specksteins folgend gingen die Schüsseln, Teller, Töpfe undTassen der Lavezdreher vor allem in das italienische Nachbarland.( Rudolf Schnyder,Bündner Keramik-, Glas- und Lavezsteingewerbe). Im ganzen gilt, was W. Trachslerbesonders von der Möbelkunst sagt: Dank der positiven Einstellung weiter Bevölke-rungskreise zum Althergebrachten und gezielter Bestrebungen von Heimatschutz undDenkmalpflege seit den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gelang es, diesenfremden Einflüssen doch so weit zu begegnen, daß Graubünden bis heute zu jenenRegionen der Schweiz gehört, in denen sich angestammte Art den Umständen gemäß guterhalten hat( S. 298).

Während die Oberschicht in der Kunst der farbigen Glasscheiben einen gewissenLuxus entfaltet, weist das( weit seltener als im Montafon gefundene) Hinterglasbild aufdie bekannten nördlichen Landschaften( Bayerischer Wald, Oberbayern, Südböhmen).Gleichfalls im Konfessionellen begründet ist es, wenn das, Kleine Andachtsbild einegeringe Rolle spielt, während im benachbarten Tirol und Vorarlberg die Kupferstecherbesonders aus Augsburg reichen Absatz fanden( Theo Gantner, VolkstümlicheGraphik und Malerei Graubündens).- Auffallend bleibt auch, daß sich die Frauentrachtdes Montafon, abgesehen etwa von einer Zierhaube, dem Kappadüsle, eher nach derWestschweiz( Basel) und Süddeutschland( Augsburg) geöffnet zeigt( Anne Wanner,Bündner Trachten, Textilien und Textilgeräte). Ein Kapitel über die BündnerLandschaft in Ansichten des 16.- 18. Jahrhunderts"( Bruno Weber) beschließt denRundgang durch Museum und lebendige Landschaft. Die ältesten Blätter stammen ausdem Beginn des 16. Jahrhunderts. Das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum bewahrteine Zeichnung des berühmten, neben Altdorfer stehenden, aus Feldkirch in Vorarlberggebürtigen Malers der Donauschule, Wolf Huber( Burg Tarasp). Auf seiner Rückreiseaus Italien skizzierte Goethe die Via Mala( 1. 6. 1788). Von einer Bündner Landschafts-kunst jedoch kann erst seit Segantini gesprochen werden. Ihm folgten u. a. Hodler,Giacometti, Kirchner, Dix und Kokoschka, die nun nicht mehr Ansichten", sondern,, Anschauung" der Landschaft vermitteln.

Ein Orts- und Personenregister und 27 Spalten ,, Literatur in Auswahl" bieten jedegewünschte Wegweisung für den Forscher wie für den interessierten Leser. Die genaueAngabe der Quellen wie die geschickte Technik der Verweise lassen keinen Wunschoffen. Kaum angemerkt zu werden braucht, daß Druckfehler- und ähnliche technischeTeufel auf Bündner Boden kein Jagdgefilde finden. Den in letzter Zeit sich mehrendenFreunden der ,, rätoromanischen" Vorzeit( vor alemannischer und walserischer Einwan-derung und Landnahme) im südlichen Vorarlberg, besonders im Montafon, seien dieausführlichen Textteile und Bildbesprechungen in romanischer Sprache( Rumauntsch)als treffliches Lesebuch empfohlen.

Richard Beitl

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