Jahrgang 
84 (1981) / N.S. 35
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Johann Kräftner/ Peter Rosei, Innenhof. 96 Seiten mit 65 Abb. St. Pölten 1979,Verlag Niederösterreichisches Pressehaus.$ 198,-.

Seit einiger Zeit vermehren sich die Photo- Bild- Bücher, die mit unserem Fachirgend etwas zu tun haben, meist ohne daß die Verfasser sich mit Volkskunde beschäftigthätten. Photographen, die gleichzeitig Architekten sind, liefern unter UmständenPhoto- Bände, die Aufnahmen von altbodenständigen Häusern oder deren Elementeenthalten, ohne daß sie es der Mühe wert fänden, ihr Material irgendwie zu kommen-tieren.

Das gilt auch für diesen kleinen Band, der in der Reihe Elemente derArchitektur" als Bd. III erschienen ist. Schon der Titel besagt wenig: Innenhof- was magim Gegensatz dazu ein Außenhof sein? Aber Kräftner hat vor allem das Weinviertelkennengelernt, und dort die vielen, zum Teil noch sehr gut erhaltenen Höfe mit den,, Tretten", worüber in der Bauernhausforschung ja schon so manches zu sagen war.Kräftner bietet gute Aufnahmen aus Großmeiseldorf, Radlbrunn, Ziersdorf usw.,wirklich bedeutende Stücke dieser weinviertlerischen Landarchitektur und vermerkt imAbbildungsverzeichnis nur ganz knapp, wo das betreffende Haus steht. Dann findet er zuden Treppenlaubenhäusern von Mörbisch, weiter zu Schloß- und Klosterhöfen mitArkaden, schweift nach Oberitalien ab, sieht aber auch Höfe mit gestaltlich verwandtenSäulengängen in Wien, nicht nur in alten Innenstadthäusern, sondern auch in Bauten derGründerzeit, bis zum Justizpalast. Daneben noch einige Bilder von Häusern mitPawlatschenhöfen und ähnliches, da ist keine Richtung mehr zu erkennen. Und dazu wirdein sentimentaler Feuilletontext von Peter Rosei abgedruckt, der fachlich gar nichtsbietet, stimmungsmäßig ganz subjektiv und daher an einer solchen Stelle sicherlichunnötig ist.

So kann man wohl auch ,, Bücher" machen, aber es sind dann eben keine wirklichenGebilde dieser Gattung. Schade um Kräftners gute Weinviertler Aufnahmen.

Leopold Schmidt

Karl Haiding- Sophie Gaß, Kinder- und Jugendspiele aus Niederöster-reich.( Raabser Märchenreihe, Bd. 5) Wien 1980. Brosch. 70 Seiten Musiknoten,Spielplanskizzen. S 60,-.

Dieses 5. Bändchen der reizvollen RMR ist einer Überlieferungsgattung imRahmen der sogenannten Volkskultur" gewidmet, den Kinder- und Jugendspielen,denen immer nachgesagt wird, sie wären schon ausgestorben oder zumal in derGroßstadt- nahe daran. Wem es vergönnt ist, eigenen und fremden Kindern, kleinenund kleinsten schon, zuzuschauen, zuzuhören, der wird nur Wandel, starke ,, einheitliche"Prägung, zumal durch Kindergärten, aber kaum ein Absterben dessen, was aus eigenerKindheit nachklingt, feststellen. Das Bändchen ist zusammengestellt von Karl Hai-ding, der sich seit den späten dreißiger Jahren ganz besonders mit dem( nicht nurdeutschen, sondern vergleichend europäisch gesehenen) Kinderspiel befaßt hatte, in denNachkriegswirren freilich einen Teil seiner Aufzeichnungen und Pläne verlieren hattemüssen, und von seiner einstigen Mitschülerin Sophie Gaß. Beide hatten es bereits seit1950 vorbereitet, nicht primär als wissenschaftliches Quellen- oder Dokumentations-zeugnis, wiewohl ein knapper, aber gut weiterführender Anmerkungsteil( 60-68) zusamt

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