Literatur der Volkskunde
Franz Carl Lipp, Goldhaube und Kopftuch. Zur Geschichte und Volkskunde derösterreichischen, vornehmlich Linzer Goldhauben und oberösterreichischen Kopf-tücher. Graphische Gestaltung: Herbert Friedl. 196 Seiten( Großformat), mit 42Farb- und 138 Schwarzweißbildern, 1 Farb- und 3 Schwarzweißtafeln, 42Zeichnungen. Linz 1980, Oberösterreichischer Landesverlag. S 548,-.
Ein Hauptwerk der Trachtenforschung ist hier anzuzeigen: Lipp hat das lange vonihm erwartete Goldhaubenbuch herausgebracht, mit einer Fülle von wohlgeordnetemMaterial, aber auch mit sehr vielen instruktiven, offenbar seit langem gesammeltenBildern. Es ist ein Zufall, daß fast zur gleichen Zeit auch ein bayerischer Beitrag zumThema erschienen ist, nämlich der Aufsatz von Gislind M. Ritz, Riegelhaube undKropfkette. Zum Erscheinungsbild der Münchner Bürgertracht um 1800( in: Wittelsbachund Bayern, Bd. III/ 1: Krone und Verfassung. König Max I. Joseph und der neue Staat.München 1980. S. 326-333). Was dort für die Münchner Riegelhaube erarbeitet wurde,das ist also jetzt noch bei weitem umfänglicher für die Linzer Goldhaube geleistetworden.
Die Haubenforschung gehört in der ganzen sowieso sehr vertrackten Trachtenfor-schung wohl zum vertracktesten überhaupt. Das 19. Jahrhundert kannte nur dieAufzeichnung und den künstlerischen Bildbeleg. Zu Ende des Jahrhunderts, als nichtzuletzt die Sammlung Lipperheide einen gediegenen Grundstock bot, konnte dann RoseJulien eine erste abschließende Haubenübersicht vorlegen( Julien, Die deutschenVolkstrachten zu Beginn des 20. Jahrhunderts. München 1912, S. 172 ff.), die sichfreilich nur auf das damalige deutsche Reichsgebiet bezog und daher wohl dieRadhauben des Bodenseegebietes, nicht mehr aber die Goldhauben der Donaustraßeberücksichtigte. Fortschritte wurden eigentlich erst zu Ende des ersten Drittels unseresJahrhunderts gemacht, als Viktor von Geramb die kartographische Darstellung derHauben und Kopftücher vorlegte( Mautner und Geramb, Steirisches Trachtenbuch.Bd. II, Abb. 258 und 281), und als Josef Hanika seinen Versuch der Gliederung derHauben nach S- und N- Nähten verständlich zu machen trachtete( Hanika, Sudetendeut-sche Volkstrachten, Bd. I, Reichenberg 1937, S. 149 ff. u.ö.). Von beiden Versuchensind starke Anregungen auch in Lipps Werk eingeflossen.
Die Grundlage für derartige Forschungen bildeten allenthalben die Haubensamm-lungen, zunächst private, dann museale. Die große, etwa 100 Stück umfassende
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