graphien, die aus den Jahren 1920-1924 stammen und Szenen von Volksbräuchenund aus dem Volkstheater festhalten, das damals noch keinerlei„ Regie“ unterle-gen war und in den schlichten Kostümen wohltuend von modernen Kostümierun-gen absticht.
Der dritte Teil führt in den Bereich der Aromunen, somit in die engere Heimatvon Papahagi. Zunächst stellt der Autor den aromunischen Dichter Marcu Beza( 1882-1949) vor, dessen Texte größtenteils zweisprachig mitgeteilt werden. Auchdazu bietet er wieder ein Glossar.
Der vierte Teil entspricht dem Band V der„ Biblioteca Naţională a Aromâni-lor“ und enthält mazedorumänische und aromunische Texte, die im Original etwazwischen 1888 und 1925 erschienen waren. Darunter befindet sich auch die inter-essante Studie von Perikles Papahagi über die aromunische Volksliteratur ausdem Jahre 1900.
Diese Volkslieder, Gedichte, Erzählungen unterschiedlichen Genres und kriti-schen Beobachtungen stammen aus Kalendern und Almanachen, die heuteSeltenheitswert besitzen. So ist man dankbar, ein reichhaltiges Material verfügbarzu haben, auch wenn die einzelnen Blätter für die Volkskunde von unterschied-lichem Interesse sind.
Der Band stellt mit seinem gemischten Inhalt eine Art volkskundlicher Antho-logie dar, er wird in Teilen stärker den Dialektologen und in andern Teilen stär-ker den Brauchtumsforscher Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumsforscher beschäftigen, erinnert jedoch auch daran, daß Papa-hagi noch zu jenen Forschern gehörte, der Volksmusikinstrumente nicht nur be-schrieben hat, sondern das Spielen auf ihnen erlernt- und nach dem Zeugnis vie-ler selbst meisterlich zum Vergnügen seiner Zuhörer unterm Volk praktizierthat.
Felix Karlinger
Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Text der zweiten vermehrten undverbesserten Auflage( 1819). Hrsg. und mit einer Biographie der GrimmschenMärchen versehen von Heinz Rölleke. 2 Bände, 592 S. Eugen DiederichsVerlag, Köln 1982.
Es ist erfreulich, daß die sonst schwer erreichbare zweite Auflage der KHMnun wieder in einer gut lesbaren Ausgabe vorliegt. Rölleke hat den Text nicht nurgründlich revidiert, sondern er hat den Textbestand auch glänzend kommentiert.Sein Nachwort umfaßt 62 Seiten und bietet einen sachlich wie fachlich hervor-ragenden Überblick über die Geschichte der KHM, wobei vor allem die Bedeu-tung gerade der 2. Auflage herausgestellt wird. Wer sich mit den Grimm näherbeschäftigt, wird ohne dieses Nachwort nicht auskommen, das auch auf Detailseingeht und die wichtigsten Veränderungen in den einzelnen Texten angibt.
Die vorliegende Ausgabe ist jedoch keinesfalls ein ausschließlich für denWissenschaftler gedachtes Buch, vielmehr eignet es sich auch in vollem Umfangals Lese- oder Vorlesebuch. Dem kommt besonders das alphabetische Verzeichnisder Märchentitel entgegen. Auf Anmerkungen zu den einzelnen Märchen wirdverzichtet und so der wissenschaftliche Apparat nicht zerdehnt. Trotz der vielen
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