Jahrgang 
85 (1982) / N.S. 36
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Apodiktische Behauptungen, wie der ursprüngliche Zweck( der Lochsteine) warkultisch", haben nur die Wirkung, ohnedies schon Voreingenommene in ihrenwissenschaftlich nicht fundierten Anschauungen zu bestärken; sie zeugen auchvon der großen Gefahr einer rein phänomenologischen Betrachtungs- und Erklä-rungsweise, das heißt der natürlich sehr verführerischen Neigung, auffallende, derPhantasie entgegenkommende Erscheinungen, die keine belegbare Erklärung bie-ten, mit dem Nimbus des Mythischen zu umgeben.

Dies gilt auch für die Behauptung über die Verehrung von Hulda, Herta undFreya"( S. 27 unter Bezug auf Wackelsteine); einmal abgesehen von der Frage,wer hierzulande die pagane Tradition gepflegt haben soll, sei darauf hingewiesen,daẞ Herta" eine falsche Lesung für Nerthus" ist. Holda, auch Holla, ist dochwohl mit Nerthus identisch und daher hier falsch und überflüssig mehrfach ge-

nannt.

Anzuerkennen sind hingegen die Zusammenfassung zum Thema der Schalen-steine auf den Seiten 33 bis 40 sowie die Hinweise kartographischer Art, die jaauch in der allgemeinen Flurdenkmalforschung von Nutzen wären.

So können wir denn das vorgelegte Werk zusammenfassend nur mit einem Be-griff aus der Religionswissenschaft und Symbolkunde bewerten: es ist, nehmt allesnur in allem, bestenfalls ambivalent.

Emil Schneeweis

Niko Kuret, Jaslice na Slovenskem. Kulturnozgodovinski in narodopisni oris.( DieWeihnachtskrippe bei den Slowenen. Kulturhistorischer und volkskundlicherUmriß.) Ljubljana, Verlag Družina, 1981. Geb. 288 Seiten, 254 Abb.Erheblich später als die freilich auch im Gegenwartsbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Gegenwartsbrauchtum des Krippen-bauens sozusagen klassischen Krippenländer Tirol und Bayern haben sich auchdie Länder des einstigen Innerösterreich auf dieses Erbe des gefrorenen geistli-chen Volksschauspiels in Kleinbühnenräumen und Figurinen mancherlei Werk-stoff und Techniken besonnen. Bald aber zeigte sich, gemessen an der reichenbayrischen Krippentradition( vgl. L. Kriss- Rettenbach, Anmerkungen zurneueren Krippenliteratur. Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 1966/67) und je-ner Tirols einschließlich der nachmals für Slowenien so bedeutsamen Werkstät-tentraditionen von Südtirol, insbesondere Gröden( J. Ringler, Alte TirolerWeihnachtskrippen. Innsbruck- München 1969), daß auch die Steiermark, Kärn-ten und Krain einen vorher nicht für wahrscheinlich gehaltenen, bei den Slowenenallerdings auf die Alpinzonen beschränkten, Pannonien( Übermurgebiet/Prekmurje) und das Küstenland( Primorje) wie den Bereich von Görz sichtlichausschließenden Anteil am Krippenbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Krippenbrauchtum hatten. Auch diese Länder konn-ten einen nicht unbeträchtlichen Anteil ihres Erbes an solchen geistlich ausgerich-teten Gebilden des Spätmittelalters, vor allem der Barockzeit und noch über dieAufklärung herauf bis unmittelbar in unsere, wiederum stärkstens von Tirol( Grö-den) her diesbezüglich angeregten Welt des liebenswerten Kleintheaters religiös-weihnachtlicher, seltener der Passion zugehöriger Thematik erhalten, perioden-weise neu beleben.

Begonnen hatte die wissenschaftlich ausgerichtete Beschäftigung mit demVolkskunstwerk Krippe für die alt- innerösterreichischen Lande mit meinem

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