verkannt wird die Bedeutung des Adels- Mobiliars im Spätmittelalter. Hier mußman allerdings die Quellen richtig lesen und die vielen wichtigen Innovationenbeispielsweise bei den Schrankmöbeln( und Truhen) kennen, wie das TorstenGebhard schon 1937 im Bayerischen Jahrbuch für Volkskunde aufgezeigt hat.Was die Speisenordnung betrifft, so dürfte der vorletzte Gang beim Gastmahl aufFinkenstein, 1486 IX 20, bei Santonino nicht„ in Richtung zum Ungewöhnlichen,Besonderen und Repräsentativen hin" weisen, sondern vielmehr der früheste Be-leg für den bekannten„ Kärntner Reindling" sein, für den man also auch schonden Staubzucker kannte( S. 67).
Die Beiträge über Franken und Tirol sowie Südtirol werfen viele neue Fragenauf und sind wie der vorgenannte für die Volkskunde dementsprechend wichtig.Im ,, fernen Spiegel" des gotischen Zeitalters, das auch als„ Herbst des Mittelal-ters“ bezeichnet worden ist, gewinnt nun so manches klarere Konturen, vielleichtmanchmal noch seitenverkehrt, aber eben doch mit größerer Schärfe und auch inder„, adeligen Sachkultur". Der inhaltsreiche Band leistet dafür nicht wenig.
Oskar Moser
Kristian Sotriffer, Domus alpina. Bauformen und Hauslandschaften im Alpenbe-reich. Edition Tusch, Wien( 1982), 208 Seiten mit 220 Farb- und Schwarzweiß-fotos und verschiedenen Zeichnungen( als Repros).
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Volkskunde und Hausforschung sollten mit dem weiten Leserkreis, der hier of-fenbar angesprochen wird, diesen schönen, leider nicht ganz billigen Textbildbanddes aus Südtirol stammenden Bildreporters Kristian Sotriffer beachten und regi-strieren. Hier geht es nach des Verfassers Absicht weniger darum,„,... ein bloẞanalytisches und formbeschreibendes Vorgehen zur Materie trockener Untersu-chungen werden zu lassen"( S. 22), als vielmehr um die„ optischen Erlebnisse"und um die auch im Beitext noch trefflich erfaßten und charakterisierten Resteeiner tatsächlich„ vorhandenen Wirklichkeit in ihrer wohlgeordneten Vielheit“.Es geht Sotriffer um das„ Herzstück eines Kontinents"( S. 10-15); auch um dieleider immer mehr versinkenden„ Minderheiten" alpinen Daseins und damitwie es der Autor richtig ausspricht- um die„ Dritte Welt Glossar ::: zum Glossareintrag Welt“ mitten in Europa.Kr. Sotriffer ist schon mehrfach in dieser Richtung hervorgetreten. Im Vorlie-genden zieht er in weitem Ausgriff und mit sehr schönen Bildimpressionen einedurchaus gültige Summe der unglaublichsten Vielfalt im herkömmlichen Bauge-sicht der Länder„ zwischen Pannonien und Adria, dem Genfer und dem LangenSee( dem Lago Maggiore), der Donau und der Rhône“( S. 12). Er zieht zugleichaber auch, und zwar durchgehend, eine Summe volkskundlicher Erkenntnisse undsetzt eigentlich dort an, wo einmal Viktor von Geramb„ Vom Werden und vonder Würde unserer Bauernhöfe“ sprach. Ja, Sotriffer geht noch viel weiter. Ergeiẞelt schonungslos die brutale Zerstörung der alpinen Natur und ihrer Biotopedurch Industrie und Tourismus, durch kurzfristiges Denken, beladen mitso fragwürdigen Argumenten wie Erholung',„ Freizeit' oder, Energiegewinn"".Was der Verfasser in den Jahren 1979 bis 1981 immerhin noch erfassen konnte,das scheint auch uns durchaus nützlich und vermerkenswert. Gezeigt und
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