Jahrgang 
85 (1982) / N.S. 36
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Taufbecher als Gefäßgeschenk

Von Leopold Schmidt+

Wenn man sich über einen greifbaren Gegenstand des Brauch-wesens informieren will, so greift auch der Fachmann nicht un-gern zu den allgemeinen Nachschlagewerken. Die großen Lexika,die sich heute gern als Enzyklopädien bezeichnen, vielleicht imRückblick auf die ersten großen Werke dieser Art in der Zeit derAufklärung, diese großen Lexika werden ja heute wenigstenszum Teil auch von ausgesprochenen Fachleuten mitbearbeitet. Eskönnen daher Gegenstände der Volkskunde vorkommen und die-se Stichwörter auch von Vertretern des Faches angeregt oder so-gar bearbeitet sein.

Das ist also beispielsweise der Fall, wenn man, durch irgend-einen Zufall verleitet, sich über einen solchen greifbaren Gegen-stand des Tauf- und Patenbrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag  Patenbrauchtums, den Taufbecher, informie-ren will. Man weiß, daß es so etwas gibt, aber über diese vage all-gemeine Kenntnis hinaus ist offenbar nicht viel bekannt. Soschlägt man eben ein gutes großes Lexikon auf und findet zu-nächst bei den Paten wie bei der Taufe nichts darüber. Bei eini-ger Hartnäckigkeit kehrt man also von den Komposita zumGrundwort zurück und findet im Artikel Becher" tatsächlichden gesuchten Hinweis: Vom 19. Jahrhundert an wuchs die Be-liebtheit des silbernen Bechers als Patengeschenk." ¹) Das istnicht viel, scheint aber doch brauchgeschichtlich orientiert unddaher wertvoll. Wenn man sich über die dem Artikel beigegebe-nen Literaturangaben weiter orientieren will, wird man freilichenttäuscht; die kunst- und kunstgewerbegeschichtlichen Veröf-fentlichungen kennen und nennen den Taufbecher gar nicht. DerVerfasser des Lexikonartikels hat sich also vielleicht gar nicht andie zitierte Literatur, sondern an eine andere Quelle gehalten.

Man braucht nicht lange zu suchen, um fündig zu werden. Ver-fasser von Lexikonartikeln über volkskundliche Gegenstände

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