zeichnung für jene Form, bei der der Rand weit nach außen unten eben wieeine Krempe umgebogen ist. Als Gegensatz zu„ Kragenrand“ wird sich dieseBezeichnung sicherlich schnell in der Literatur einbürgern. Hingegen scheint mirder Name ,, Kompositrand" weniger geglückt zu sein. Die Verfasser verstehen dar-unter einen Kragenrand mit Furchengliederung der Oberfläche, was aber gleich-falls eine niederbayerische Eigenart zu sein scheint. Um aber nochmals auf dasGlossar zurückzukommen: in ihm sind die wichtigsten keramotechnischen Fach-ausdrücke enthalten, so auch der Terminus„ Reduktionsbrand“. An sich ist dieserein Widerspruch in sich, da man nur bei hoher Temperatur, also nur oxydierend,brennen kann. Wenn nach Beendigung des Brennprozesses noch ein Abschlußver-fahren angefügt wird, das durch Abdrosseln der Luftzufuhr sowie durch Nachle-gen von stark kohlestoffhältigem Brennmaterial eine Dunkelfärbung des im Ofenbefindlichen Geschirrs erzielt werden soll, so kann dies wohl kaum als„ Brenn“-Prozeß angesprochen werden. Hier wird man sich eine andere Umschreibung ein-fallen lassen müssen, um das Kennzeichen dieses verfärbenden Schlußprozessesim Töpferofen so zu umschreiben, daß kein Gegensatz zwischen Oxydations- und,, Reduktions"-Brand entsteht. Vielleicht ist es überhaupt am besten, wenn mandie Bezeichnung„ Reduktionsbrand" ganz aufgibt. In unserem Sprachgebrauch istdie Bezeichnung„ Engobe“ unbekannt. Wir setzen dafür entweder„ Feinüberzug“oder„ Schlicker". Man muß aber den beiden Kollegen sehr dankbar dafür sein,daß sie mit ihrem Glossar zu einer weiteren Verständigung innerhalb der Kera-mikforschung beigetragen haben, wie ja ganz allgemein ihre Veröffentlichung zuden wertvollsten Fachschriften zählt, die in der letzten Zeit erschienen sind. Daßes jedoch der Verlag der Mittelbayerischen Zeitung zur Veröffentlichung gebrachthat, darf als ein speziell freundliches Zeichen der Wertschätzung wissenschaftli-cher Arbeit durch ein dem Tagesgeschehen verpflichtetes Medium anerkannt wer-den.
Richard Pittioni
Ovidiu Birlea, Eseu despre dansul popular românesc. Cartea Românescâ.Man ist überrascht, diesmal ein Buch über den rumänischen Volkstanz von Bîr-lea, der als der beste Kenner der rumänischen Volksliteratur bekannt ist, vorzu-finden. Der Autor erweist sich jedoch auch auf diesem Gebiet als ein kenntnisrei-cher und kluger Beobachter.
Die relativ geringen Kenntnisse über die ältere rumänische Tanzgeschichte ha-ben ihre Ursache nach Bîrlea in der Schwierigkeit der Notierung, da die in Italienund Frankreich entwickelten Tanzschriften auf dem Balkan bis in die Neuzeit her-ein unbekannt war.
Der Autor bezeichnet sich selbst als einen„ Nichtspezialisten“, man ist jedochbeeindruckt, wie klar und präzis er die wesentlichen Elemente des Volkstanzesnicht nur erkennt, sondern auch darzustellen vermag. In seiner Einordnung imRahmen der Volkskultur wird vor allem die Funktion deutlich, die den Volkstän-zen zukommt. Die Nähe zum Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und der kultische Untergrund wird be-reits aus der älteren rumänischen Ikonographie ersichtlich. Bîrlea kommt im Zu-
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